Autor: felix

  • Silvester am Stadtderby

    Zürcher Fanszenen sorgen für Feuerwerk im Letzigrund

    Bereits zum 295. Mal stand in der größten Stadt der Schweiz das Stadtderby an. Die Grasshoppers Zürich empfingen den FC Zürich in deren Letzigrund. Und das versprach wie bei jedem Aufeinandertreffen große Emotionen.

    Um allerdings auch die entspannten Seiten Zürichs zu sehen, wurde der Mittag damit verbracht, die Stadt zwischen Letzigrund, Aquädukt und Altstadt zu entdecken. Um später bei den hitzigen Emotionen einen kühlen Kopf bewahren zu können, wurde zudem die Limmat angesteuert, in der die Vorteile von Großstädten mit sauberen Fließgewässern ausgekostet wurden.

    Wie schon mehrmals berichtet, ist ein einfaches Erkennungsmerkmal, welcher Verein in welcher Gegend dominierend ist, die Gestaltung der Wände, Laternenmasten und Verkehrsschilder. Auffällig war, dass der FCZ hier deutlich präsenter war, als der GCZ. So sah man diverse FC Zürich Kleber, Tags und Bilder, aber kaum bis keine Grasshoppers Markierungen. Das kann natürlich auch an den Gebieten liegen, in denen man sich bewegt, auffällig war es aber dennoch. Bei der Erkundung der Alt- und Innenstadt und auch auf dem Weg vom und zum Parkhaus in der Nähe des Stadions, waren zudem recht wenig erkennbare Fußballfans auf den Straßen unterwegs. Als die Zeit verstrich und auch der Anpfiff näherrückte, wurde allerdings auch die Polizeipräsenz innerhalb des Stadionumfelds deutlich höher. Gepanzerte Polizeiautos, Einsatzkräfte in Vollmontur, sowie mehrere Wasserwerfer waren rund um das Stadion und die Treffpunkte der Fanszenen verteilt.

    Den Grasshoppers Club Zürich gibt es seit 1886 in Zürich. Wie überall in Europa, schwappte auch in der Schweiz die Fußballbegeisterung aus England über und löste den Rugby als vorherrschenden Ballsport ab. Ein junger englischer Student in Zürich wollte auch im Ausland unbedingt seiner Leidenschaft nachgehen, gegen das runde Leder zu treten und trommelte in einer Nacht 7 weitere junge Männer an und begeisterte sie für den Fußballsport. Am 01.09.1886 wurde somit der erste Fußballverein Zürichs von 8 Leuten im Alter zwischen 15 und 20 Jahren gegründet. Über die Namensherkunft kann nur spekuliert werden. Diese Spekulationen reichen von simplen Ideen, wie der Orientierung an anderen Vereinsnamen aus England (z.B dem Rugby Club Preston Grasshoppers), weiter über die Bewegung der Spieler auf den Wiesen, auf denen gespielt wurde, bis hin zu philosophischen Gedanken, dass der Verein ebenso große Sprünge machen möchte, wie es Grashüpfer tun. 

    Auch wenn dies vielleicht nicht der Gedanke des Namens war, könnte Tom E. Griffith, der englische Student, im Nachhinein allen „who’s laughing now?“ sagen, folgten doch auf die erste Meisterschaft 1897/1898 noch 26 weitere Meistertitel (der letzte 2003) und 19 Pokalsiege (der letzte 2013). Somit sind die Grasshoppers bis heute Rekordmeister und Rekordpokalsieger in der Schweiz. Zwei Mal schaffte man es zudem, sich für die Champions League zu qualifizieren. 

    Der GCZ war für die Schweiz das, was der FC Bayern für Deutschland ist. Und er tat das, was sich viele Fußballfans in Deutschland vom FC Bayern wünschen: er leistete über mehrere Jahre katastrophale Arbeit in Sachen Management und Kaderplanung, was darin endete, dass 2019/20 der erste Abstieg seit ca. 80 Jahren besiegelt wurde. Seitdem sind die Grasshoppers zwar wieder in der ersten Liga angekommen, aber Titelaspiranten sind sie schon seit vielen Jahren nicht mehr.

    Die Fanszene des Grasshopper Clubs Zürich, rund um den Sektor IV, lief gemeinsam vom ausgemachten Treffpunkt zum ungeliebten Letzigrund, in dem auch der GCZ seit einigen Jahren seine Heimspiele austragen muss, seitdem es das eigene Hardturm-Stadion nicht mehr gibt. Bereits auf dem Weg in Richtung Stadion wurden auch die ersten Fackeln, Raketen und Böller gezündet.

    Der, mittlerweile, zahlentechnisch größere Verein der Stadt, ist gleichzeitig auch der jüngere der beiden Vereine. Erst 10 Jahre nach den Grasshoppers gründeten am 01.08.1896 Ex-Mitglieder anderer Lokalvereine den FC Zürich. Interessant daran ist, dass ein Mitgründer und erster Trainer des FCZ später Berühmtheit durch die Gründung eines anderen Vereins erlangte: Hans Gamper. Später in Spanien auch bekannt als Joan Gamper, gründete er 1899 den FC Barcelona in Spanien. 

    Bereits 6 Jahre nach Gründung, am Ende der Saison 1901/02, gewann man den ersten Ligatitel in der Schweiz. Auf diesen Titel folgten bis heute noch 12 weitere, 7 davon in den „goldenen Jahren“ zwischen 1960 und 1981. In dieser Zeit gelangen auch die größten internationalen Erfolge, 1964 und 1977 stieß man vor bis ins Halbfinale des Europapokals der Landesmeister, bevor man an Real Madrid, bzw. dem FC Liverpool scheiterte. Den letzten der insgesamt 13 Titel holte man in der Saison 2021/22. Auch im Pokal konnte man regelmäßige Erfolge feiern, so wurde der Schweizer Cup insgesamt 10 Mal gewonnen, mit 2016 und 2018 auch zwei Mal in den letzten 10 Jahren. 

    2009/10 qualifizierte man sich für die Champions League. 

    Auch die Fanszene des FC Zürich rief zum gemeinsamen Marsch auf. Ein selbst getesteter Hinweis für alle weiteren Schaulustigen: ein hier nicht genauer benanntes Hotel in der Badener Straße verfügt über keine Rooftop-Bar und auch auf die Feuertreppe kommt man nicht ohne Weiteres, es ist also nicht geeignet, um einen auf der Straße vorbeiziehenden Fanmarsch zu betrachten.

    Wie im Fanmarsch der GCZ Fans, wurden bei den FC Zürich Fans auf dem Weg zum Stadion schon Rauchtöpfe und weiteres Material gezündet, was ein schönes Bild in den Straßen abgab (was aus bereits genannten Gründen leider nicht festgehalten werden konnte).

    Rund um das Stadion nahm die Polizei das Thema Fantrennung ernst, wurden doch die Straßen zwischen den beiden Fankurven von gepanzerten Fahrzeugen und Einsatzkräften gesperrt und Vorbeigehende wurden genauestens betrachtet.

    Die Rivalität der beiden Vereine ist so alt, wie es beide gibt. Bereits seit der Gründung des FCZ kämpfen die beiden Zürcher Vereine um die Vorherrschaft in der Stadt. Der erfolgreiche GCZ, der als Verein der Oberschicht und Gebildeten galt, war dabei lange Zeit der Verein mit den höheren Zuschauerzahlen in Zürich. Der weniger (aber dennoch) erfolgreiche FCZ hatte dabei häufig das Nachsehen. Bereits das allererste Derby 1897 (zugegebenermaßen: 1 Jahr nach Gründung des FCZ) gewannen die Grasshoppers mit 7:2. 

    Seit Ende der 00er Jahre hat der FCZ deutlich die Nase vorne, was die Zuschauerzahlen der beiden Vereine angeht. Gründe hierfür gibt es verschiedene. Zum einen verliefen die Erfolge gegenläufig, der GCZ verlor immer mehr an sportlicher Relevanz, während der FC Zürich Erfolge feiern durfte. Außerdem spielen auch die Grasshoppers seit 07/08 im Letzigrund, da der Hardturm, ihr eigenes Stadion, abgerissen wurde und die Baupläne seither nicht vorangehen konnten. Die beiden Stadien standen sehr nah beieinander und waren nur durch Bahngleise getrennt. Vielen alten GCZ Fans sagt dieses „neue“ Stadion nicht zu und machte den Verein weniger attraktiv.

    Seit dem ersten Spiel 1897 gab es bis heute einige spektakulär torreiche Spiele, herbe Klatschen und Spielabbrüche durch Fanausschreitungen im Innenraum. In der Liga gab es das Spiel bis heute insgesamt 269 Mal, mit einem Siegverhältnis von 117:107 für die Grasshoppers. Bei den letzten 10 Aufeinandertreffen in der Liga steht es wiederum 8:1 für den FC Zürich. Das letzte Spiel, welches der GCZ in der Meisterschaft gewinnen konnte, war am 28.01.2024 mit 2:1. 

    Das Stadion Letzigrund versprüht auf jeden Fall ein gewissen Charme, trotz dessen, dass es ein „Neu“bau aus dem Jahr 2007 ist, nachdem das ursprüngliche Stadion abgerissen wurde. Charakteristische Flutlichtmasten, sowie eine Tartanbahn (bei der die Meinungen ja bekanntermaßen auseinandergehen) wirken auf jeden Fall sehr gelungen. Dass der Umlauf der Tribüne auf Eingangshöhe und die Tribünen, sowie das Spielfeld nach unten versetzt sind, macht das Stadion zu etwas außergewöhnlichen.

    Komplett konträr zum Polizeiaufgebot außerhalb des Stadions gab sich die Situation am Einlass. Sehr entspannte Kontrollen, trotz Derby und Risikospiel haben auf jeden Fall dazu beigetragen, die Stimmung nicht weiter hochzuschaukeln.

    Die Verkaufsstände innerhalb des Stadions hatten für dieses Spiel keinen Alkohol im Sortiment und die Schlange für den Laden unter dem Zaun durch sah sehr exklusiv aus, weshalb es hier keine Bewertung des Stadionbiers geben kann. Stattdessen eine ausdrückliche Empfehlung der Pommes im Letzigrund, vermutlich die besten bisher auf der unvollständigen Liste der Stadionpommes.

    Nach der Stärkung ging es schon auf die eigenen Plätze. Die Zürcher Südkurve war bereits gut gefüllt.

    Dieser gut gefüllte Block wartete bereits auf den Mob der GCZ Fans, deren Block noch recht verwaist aussah. Grund hierfür war, dass die Fans gebündelt den Block betreten wollten, was ein schönes Bild abgab und ordentlich Krawall auf Seiten des FCZ auslöste. Auch das Einlaufen der Mannschaften zum Aufwärmen lies die Stimmung nochmal hochkochen und man merkte schnell, welches Feuer hier in der Luft hing. Die GCZ verteilte noch Papptafeln für eine Choreo, während die Südkurve eine Zaunfahne vor dem Block vorbereitet hatten. Schon lange vor Anpfiff gab es bereits diverse Pöbeleien und Provokationen aus den jeweiligen Fanblöcken.

    Zum Einlauf der Mannschaften vor Anpfiff zeigten die GCZ Fans eine Choreo mit Papptafeln in Vereinsfarben, drei Blockfahnen und hinter einer Zaunfahne mit der Aufschrift „140 Jahr – s‘Original vo Züri“, welche bereits beim Aufhängen ordentliche Reaktionen auf der Gegenseite hervorgerufen hat.

    Die Südkurve Zürch hatte sich etwas spektakuläres überlegt und zündete hinter einer noch größeren „Zürcher Südkurve“ Zaunfahne, als sie eh schon immer hängen haben, direkt mehrere Feuerwerksbatterien, sowie Fackeln und Blinker, zum Einlaufen der Mannschaften, was zu einem gigantischen Bild führte.

    Nach diesem furiosen Start war klar, dass beide Fanszenen heute alles geben wollten. Die Fans des GCZ starteten mit einer guten Mitmachquote rein und man sah, dass im Block ordentlich was ging und die Leute dort sehr motiviert waren, was einen guten Eindruck machte.

    Das Problem mit einer Bewertung der Fans der Grasshoppers ist nur leider, dass ihnen auf der anderen Seite eine der größten und wohl auch besten Kurven des Landes gegenübersteht, welche einen zwangsläufig übertönt. Der Auftritt der Südkurve war wirklich bemerkenswert. Eine durchgängig fast hundertprozentige Mitmachquote im eigenen Block, eine immense Lautstärke, mit der das Gesungene in das Stadion hallte, sowie ein außergewöhnliches, sehr kreatives Liedgut erklären, wieso die Fanszene des FCZ solch einen guten Ruf genießt. Bei solch einem Auftritt hat man als zahlenmäßig unterlegene Kurve keine Chance, sich regelmäßig über einen längeren Zeitraum Gehör verschaffen zu können. Und das soll keinen Vorwurf gegenüber der GCZ Fanszene sein, welche einen guten Auftritt hinlegte. Dies wurde klar, als bewusst einige Minuten ein Platz in der Nähe gewählt wurde, um die Grasshoppers Fans genauer wahrnehmen zu können.

    Beide Fanszenen zündeten über das gesamte Spiel Pyrotechnik, Fackeln, Blinker, Rauchtöpfe, unterschiedlichste Formen von Material sorgten in beiden Fanblöcken für einen wilden Auftritt. Was besonders hervorzuheben ist, ist der Fahneneinsatz der Südkurve, was ein wirklich sehr abgestimmtes Fahnenbild abgibt. Zwei große Schwenker mit „Züri isch ois“ Aufschrift gaben vor, wer ihrer Meinung nach die Nummer Eins in der Stadt ist.

    Das besondere am Support der Südkurve ist, deren durchgehender, sehr melodischer Gesang mit wenigen Liedwechseln. Nach knapp einer halben Stunde wurden lediglich zwei verschiedene Lieder gesungen, welche aber durchgehend mit einer sehr hohen Lautstärke ins Stadion hallten. Dazu mit einer schönen Abwechslung an optischen Elementen sorgten für einen wirklich sehr gelungenen Eindruck.

    Das Spiel auf dem Rasen war zwar ebenfalls wild und abwechslungsreich, aber von weniger Qualität als auf den Rängen. Viele Ungenauigkeiten und Konzentrationsfehlern sorgten zwar für Torchancen, aber für keine Tore vor dem Halbzeitpfiff.

    Nach dem Seitenwechsel war auch im Block der Grasshoppers Fans Neujahr, was mit einem Kanonenschlag eingeläutet wurde. Nachdem man das Bild im GCZ Block sah, war klar, wozu dieser laute Knall nötig war: parallel zu den roten und weißen Fackeln und Blinkern im Block, zündeten außerhalb des Stadions noch Batterien Raketen in den Nachthimmel und dieses parallele Zünden brauchte ein Startsignal.

    Sportlich startete allerdings der FCZ mit einem Knall in die zweite Halbzeit und ging recht früh mit 0:1 in Führung, was zu großem Jubel unter dessen Fans sorgte. Allerdings hielt die Euphorie nicht sehr lange, keine 5 Minuten nach dem 0:1 glich der GCZ aus. Beim Ausgleich erkannte man, wie viele der 17000 Zuschauenden Fans des GCZ auf den Tribünen waren, welche vielleicht in den Support hätten eingebunden werden können, um mit dem FCZ mitzuhalten. 10 Minuten nach dem Ausgleich verursachte der FC Zürich einen Elfmeter, welchen der GCZ Spieler souverän an die Latte knallte. In der 79. Minute ging der FCZ wieder mit 1:2 in Führung, was die Stimmungskurve der Südkurve und der weiteren FC Zürich Fans nochmal nach oben schraubte. In Minute 90 + 5, die es nur wegen einer Spielunterbrechung wegen gezündeter Pyrotechnik gab, gelang dann dem GCZ noch der späte, aber sportlich verdiente, Ausgleich, was zu Ekstase auf der einen Seite und Tristesse auf de anderen Seite führte. Nach dieser Aktion pfiff der Spielleiter auch die Partie ab und es gab keinen Sieger im 295. Zürcher Stadtderby.

    Abschließend lässt sich festhalten, wer noch nicht im Letzigrund war, sollte dies nachholen. Wer die Zürcher Südkurve noch nicht gesehen hat, sollte dies nachholen. Wer das Zürcher Stadtderby noch nicht gesehen hat, sollte dies nachholen, Möglichkeiten hierfür gibt es regelmäßig. Es lohnt sich allemal.

  • Hitziger Gästeblock in der Ostschweiz

    Der FC Luzern zu Gast beim FC St Gallen

    Der dritte Spieltag in der Schweizer Super League brachte ein fantechnisches Highlight auf den Plan: der FC St Gallen, gestartet mit zwei Siegen in zwei Spielen, empfing den FC Luzern, welcher mit zwei Niederlagen aus zwei Spielen unter Zugzwang stand.

    Um dem, in anderen Berichten bereits erwähnten, Schlendern gebührend nachgehen zu können, wurde das Städtchen St. Gallen (übrigens benannt nach dem Wandermönch Gallus), mit seinen engen Gassen und historischem Kloster, früh angesteuert.

    Ein sehenswerter Ort, mit knappen 85.000 Einwohnenden in der Ostschweiz, etwa 30 Minuten von der österreichischen Grenze entfernt. Sowohl die Altstadt mit kleinen Gassen und großem Klosterareal in der Mitte, als auch die, an das Stadtzentrum angrenzenden, Grün- und Parkanlagen laden zum Verweilen ein. Wer sich das Ganze von einer Anhöhe ansehen möchte, dem ist die Mühleggbahn empfohlen, mit dieser Standseilbahn kann man in keinen 5 Minuten von der Altstadt in ein Naherholungsgebiet, samt 3 Badeweihern, fahren.

    Wer vor einem Stadionbesuch sich gerne mal durch das Getränkeangebot der Ostschweiz probieren möchte, dem ist das sogenannte „Bermudadreieck“ ans Herz gelegt, wo sich 3 Bars direkt an einem Eck treffen und man einige Zeit in guter Gesellschaft verbringen kann.

    In guter Gesellschaft sind auch fußballinteressierte Menschen der Schweiz in St. Gallen, immerhin gibt es hier seit 1879 den ältesten Fußballverein des Landes. Als ältester Verein der Schweiz dachte man sich wohl auch, dass man sich nicht an die allgemeinen Regeln des Fußballs halten muss und trainierte somit einfach auf Tore, welche nur ca. halb so groß waren, wie „Regeltore“ im Fußball. Zum ersten Pflichtspiel der Vereinsgeschichte war der Grasshoppers Club Zürich zu Gast, welcher missmutig auf die kleinen Tore in St. Gallen spielte, aber 1:0 gewinnen konnte. Nach dem Rückspiel in Zürich entschied man sich auch in der Ostschweiz dazu, künftig auf Tore in Normgröße zu trainieren. Ob das an der 6:0 Klatsche lag, die man sich vor Ort fing oder ob man sich nur an die Allgemeinheit anpassen wollte, sei mal dahingestellt.

    In der Spielzeit 1899/1900 nahm man das erste Mal an der damals höchsten Schweizer Spielklasse teil und wurde prompt Letzter. In der Spielzeit 1900/1901 nahm man nicht teil. Ab 1902 demonstrierte man dann den feuchten Traum eines jeden Mathematiklehrers, der einem beteuern möchte, dass y=m*x+c auch im echten Leben eine große Bedeutung hat. 1902 wurde man in der höchsten Spielklasse Dritter, 1903 Zweiter und 1904 das erste Mal Erster und somit Meister in der Schweiz.

    1932 stieg man das erste Mal in die zweithöchste Spielklasse ab, wo man drei Jahre verweilen musste, bis man wieder aufsteigen konnte. 1945 erreichte man das erste Mal das Cupfinal, welches gegen die Young Boys Bern verloren ging.

    1957 gelang dann das Anti-Kunststück, bis in Liga 3 abzusteigen, es brauchte 11 Jahre, bis man wieder zurück in die höchste Spielklasse gelangen konnte und sich in der darauffolgenden Saison zum Cupsieger und den größten Titel der Vereinsgeschichte erspielen konnte.

    Im Jahr danach durfte man durch den Pokalsieg im Europapokal antreten, wo man es bis in die zweite Runde schaffte, aber in der heimischen Liga abstieg. Der direkte Wiederaufstieg gelang aber. 1985 spielte man erneut Europapokal und konnte Inter Mailand ein 0:0 abringen.

    Bis 1999 war man in der Liga meist im Mittelfeld, Abstiege passierten zwar, konnten aber wieder ausgebügelt werden. Nach 96 Jahren schaffte man 1999/00 die zweite Meisterschaft in der Schweiz, inklusive Uefa Cup in der darauffolgenden Saison, da man die Champions League Qualifikation nicht überstehen konnte.

    Danach verpasste man es aber, sich in der Spitzengruppe zu etablieren und rutschte (wieder) ins Mittelfeld der Schweizer Mannschaften. Es gab einzelne Ausreißer nach unten oder oben (inklusive Europa League Qualifikationen und Vizemeisterschaft 2020), aber der ganz große Wurf gelang dem Verein erst wieder 2026, als man das Stadion wieder umbenennen konnte in Sitterstadion. Ach so und Pokalsieger wurde man ebenfalls.

    26 Jahre nach dem letzten Titel und 60 Jahre nach dem letzten Pokalsieg ging der Cup 2026 wieder in die Ostschweiz nach St. Gallen.

    Ob der Pokalsieg eine Euphorie entfacht hat oder ob die Stadt generell sehr fußballverrückt ist, kann hier nicht eindeutig belegt werden. Allerdings hat das Stadion in den letzten Jahren immer eine durchschnittliche Auslastung von über 90% und auch in der Gestaltung der Laternenpfosten und Wände der Stadt ist der Verein sehr präsent.

    Auch waren bereits einige Stunden vorher viele Menschen in Vereinsfarben in der Stadt zu sehen, was ebenfalls dafür spricht, dass es weniger an dem Pokalsieg, als an der Überzeugung zum Verein liegt.

    Nach der eigenen Ankunft am Stadion wurde dieser Eindruck nochmals bekräftigt. Sehr viele Leute waren schon vor, bzw. zur Stadionöffnung vor Ort und haben sich auf das bevorstehende Duell gegen den unliebsamen Gegner eingestimmt.

    Auch die Gästefans dieses unliebsamen Gegners waren bereits beizeiten vor Ort. Angereist im Extrazug (nicht ganz zu vergleichen mit dem deutschen Sonderzug) und eskortiert zum Gästeeingang, machte man bei Ankunft am Sitterstadion ordentlich Krach und stellte auch direkt klar, was man von der Heimseite und deren Fans hält. Hier wurde auf jeden Fall ersichtlich, dass beide Fanlager sich nicht ausstehen können und heute ordentlich Feuer in der Luft liegt.

    Die Einlasskontrollen an der Gegentribüne wussten von diesem Feuer aber offenbar nichts, denn diese waren Nichtexistent. Ticket am Drehkreuz scannen und man steht im Umlauf, auch eine angenehme Erfahrung.

    Die Heimkurve öffnet an Spieltagen bereits 30 Minuten früher, als alle anderen Bereiche, weshalb der Espenblock zum Betreten des Stadion bereits sehr gut gefüllt war.

    Das Sitterstadion ist seit Eröffnung 2008 das Heimstadion des FC St Gallen und strahlt auf fußballromantischer Sicht wenig Charme aus. Die Lage direkt an der Autobahn und der „moderne“ Neubau lassen von der Außenwirkung vermutlich wenige Herzen höher schlagen. Auch von innen ist es ein modernes Stadion. Schön ist, dass die Tribünen nah am Spielfeld sind und dass die Wände von innen künstlerisch gestaltet wurden, indem bspw. große historische Erfolge oder Spiele dort verewigt wurden.

    Während die Heimkurve schon früh gut gefüllt war, blickte man im Gästeblock noch auf verwaiste Plätze. Dabei war schon vorher erkennbar, dass viele Fans aus Luzern angereist sind und auch im neutralen Bereich angrenzend an den Gästeblock, sah man schon einige Fans in blau und weiß.

    Wie auch der FC St. Gallen, haben die Luzerner eine besondere Geschichte zu ihrem ersten Pflichtspiel. Dieses ging verloren, der Vorteil der damaligen Zeit war aber, dass sich Informationen nicht so schnell verbreiteten, wie heute. Deshalb erzählten die Spieler in Luzern einfach überall, dass sie ihr Spiel mit 4:1 gewinnen konnten, um ihren Wetteinsatz, ein Fass Most, abgreifen zu können. Dieses wurde auch genüsslich verzehrt, bevor man dem Betreiber des Gasthauses die Wahrheit gestehen und ihn zum Passivmitglied des Vereins ernennen konnte.

    Die ersten Jahre war der Verein in Liga 2 oder in den unteren Regionen der ersten Liga anzutreffen. 1922 wurde man Meister in der eigenen Gruppe, konnte den Erfolg aber nicht konservieren und spielte dann bis Mitte der 30er Jahre in Liga 2. Auch die Jahre bis 1960 waren von Auf- und Abstiegen geprägt, bis man es 1960 das erste Mal schaffte, Pokalsieger in der Schweiz zu werden.

    1989 gelang mit der Meisterschaft der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. 1992 stieg man zwar ab, wurde aber dennoch Cupsieger in der Schweiz. Seither bewegt sich der Verein zwischen Liga 2 und Liga 1, 2023 gelang nochmal der Cupsieg.

    Die Luzerner reisten in großer Anzahl in das etwa zwei Stunden entfernte St. Gallen. Um auch optisch einen guten Eindruck zu machen, hüllte sich der Gästeblock komplett in blau, als alle Mitreisenden gesammelt die Tribünen betraten.

    Als der Gästeblock sich füllte, wurde dieser auch mit viel Gegenwind aus dem Sitterstadion und besonders dem Espenblock begrüßt. Hier wurde auf jeden Fall ein letztes Mal besonders deutlich, dass die zwei Fanlager nichts füreinander übrig haben. Dies erkannte man auch während des Spiels in den großen „Luzern …Söhne“- bzw. „NO SG“-Fahnen in den jeweiligen Fanblöcken.

    Bei der Recherche, worin diese große Abneigung begründet ist, wurden verschiedene Gründe genannt. Von gemeinsam gewachsenen Vereinen auf ähnlicher Größe und Einzugsgebiet in den eigenen Regionen, über brutale Fouls an Luzerner Zauberfüßen (inklusive Karriereende), bis hin zu abgefangenen Bussen nach Auswärtsspielen, war von allem etwas dabei. Mehrmals berichtet wurde auch, dass in St. Gallen die Wurst wohl ohne Senf gegessen werde, vielleicht liegt der Ursprung auch darin.

    Als es zum Aufwärmen ging, brachte die Heimkurve Lautstärke ins Stadion, um ihre Mannschaft für dieses Duell einzuheizen.

    Der Anhang der Gastmannschaft wollte ihrer Mannschaft aber ebenfalls Motivation mitgeben und so entwickelte sich auf den Tribünen schon 25 Minuten vor Anpfiff ein Gesangsduell, während im Hintergrund noch die 187 Straßenbande lief.

    Der Gästeblock setzte auch während dem Aufwärmen schon die Marschrichtung, in die der eigene Support heute gehen sollte und zündete ordentlich dichten Rauch unter lauten Schlachtrufen und Pöbeleien.

    Zum Einlaufen der Mannschaften vor Spielbeginn gab es bei den Gästen eine Choreo mit einer großen „FCL / LUZERN“ Fahne am oberen Ende des Blocks, verbunden mit Rauchtöpfen, Rauchspuren, Wurfrollen und einigen Fackeln, machte das optisch ein sehr schönes Bild.

    Nachdem der Rauch verflogen war, erkannte man bei Luzern ein sehr schönes Schwenkfahnenbild und eine wirklich fast 100%-Mitmachquote bei den Gesängen und Klatscheinlagen.

    Sportlich gab es direkt in der zweiten Minute des Spiels die erste große Chance für St. Gallen, welche in der Anfangsphase und der ersten Halbzeit sehr dominant aufgetreten sind, was auch dafür gesorgt hat, dass die Heimseite mit ihren Gesängen vereinzelt sogar das gesamte Stadion mitnehmen konnte. Auch im Espenblock wurden nach den ersten Minuten die ersten Fackeln und Rauchtöpfe präsentiert, was dem Auftritt der Heimseite nochmal etwas nach oben schrauben konnte.

    Sportlich gesehen geht die erste Halbzeit an die Mannschaft aus der Ostschweiz, welche mit ihren zwei Siegen aus zwei Spielen zu Saisonstart auch ordentlich Rückenwind hatten. Die Support-Ebene spiegelte das Sportliche nicht wider. Der Gästeblock aus Luzern machte trotz deutlicher, sportlicher Unterlegenheit riesigen Alarm und war motiviert bis oben hin. Durchgehender Support, dazu durchgehend eine Mitmachquote oberhalb der 95%, ein schöner optischer Support durch Fahnen- und Pyroeinsatz und eine sehr hohe Lautstärke machten als neutraler Beobachter sehr viel Spaß. Auch das außergewöhnliche Liedgut brachten eine positive Abwechslung mit sich und auch die Leute an der Trommel waren auf jeden Fall Männer vom Fach.

    In Minute 45+3 schaffte St. Gallen dann durch freundliche Mithilfe des Luzerner Keepers noch den Treffer zum 1:0 vor der Halbzeit, was zu großem Jubel sorgte.

    Nach dem Seitenwechsel waren die Mannschaften wie ausgewechselt. Luzern machte sofort Druck und schaffte auch in Minute 46 den Ausgleich, was den Gästeblock zum Ausrasten brachte. In der 49. Minute verspielte Luzern fahrlässig die mögliche Führung, St. Gallen war wie von der Rolle und spielte sehr nervös und unkonzentriert. Ohne ihren herausragenden Torwart hätte St. Gallen in Halbzeit 2 mit Sicherheit 3 oder 4 Tore bekommen, man hatte das Gefühl, sie schlagen sich ein wenig selbst.

    Die Leistungen auf dem Rasen brachten auch Auswirkungen auf den Tribünen mit sich, Luzern war nochmals mehr angezündet, während die Heimseite sich mit dem Support teilweise schwer tat und nur unter großer Mühe die Leute außerhalb des Supportkerns motivieren und mitreißen konnte.

    In Minute 90 war es dann soweit und der FC Luzern drehte das Spiel und erzielte das 1:2, was einen komplett explodierenden Gästeblock mit sich zog, ein Video hierzu gibt es auf unserem Instagram-Profil.

    Aber der Heimbereich bewies in diesem Moment ein gutes Händchen und schraubte auch nochmal an der eigenen Lautstärke, was an diesem Tag gegen diesen Gästeblock keine leichte Aufgabe war. Mit der Motivation der eigenen Fans im Rücken, warf auch St. Gallen nochmal alles nach vorne und erzielte den umjubelten Ausgleich, welcher allerdings vom VAR zurückgenommen wurde und somit stattdessen nochmal für große Ekstase bei den Luzernen sorgte.

    Als St. Gallen alles nach vorne warf, liefen sie nochmal in einen Konter und der sowieso schon brillierende Keeper hielt die Tür nochmal einen Spalt offen, indem er den Ball an den Pfosten lenkte. Tatsächlich meldete sich nach dieser Aktion der VAR und St. Gallen bekam von einer 2 bis 3 Minuten alten Aktion noch einen Elfmeter zugesprochen. In der 101. Minute trat ihr Kapitän an und versenkte den Ball wie in einer Trainingseinheit eiskalt in die Mitte, was das, mit 19.416 Personen, ausverkaufte Sitterstadion nochmal ausrasten lies.

    Nach dieser Aktion kam auch der Abpfiff, die Mannschaften trennten sich 2:2, die Luzerner wurden für eine dominante zweite Halbzeit nicht belohnt, der FC St. Gallen verspielte ihre überlegene erste Halbzeit nicht komplett. Auf Fanebene feierten die St. Galler natürlich den Last Minute Ausgleich, der Gästeblock legte ihren Frust recht zügig ab und feierte ihre aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft und gab ihr Motivation für die nächsten Spiele mit. Die St. Galler provozierten nochmal ein wenig in Richtung Gästeblock, dessen Kundgebung der Meinung zur Heimseite das letzte war, was an diesem Sonntagnachmittag ins Sitterstadion gerufen wurde.

    Ein sehr unterhaltsamer Sonntag Nachmittag mit einer guten Heimseite und einem überragenden Gästesupport in der Ostschweiz war damit zu Ende. Vielleicht wird in der Rückrunde der Auftritt des Espenblocks in Luzern ähnlich stark, wir werden darüber berichten.

  • Alte Rivalität zum Auftakt in der Regionalliga Südwest

    SV Stuttgarter Kickers – SSV Ulm

    Das Eröffnungsspiel der neuen Saison in der Regionalliga Südwest hatte direkt ein Highlight parat: Die Stuttgarter Kickers durften den SSV Ulm auf der Waldau empfangen. Die Spatzen sind nach ihrem Ausflug in die 2. Liga wieder in der Regionalliga angekommen. Zum ersten Pflichtspiel der neuen Saison ging es für die Ulmer ins ca. 90 Kilometer entfernte Stuttgart. .

    Die Fanszenen des B-Block und D-Block sind nicht dafür bekannt, große Sympathien füreinander zu hegen. Bereits mehrfach wurden Fanszenen vor Duellen an Bahnhöfen oder Stadien von der Polizei festgemacht, um Auseinandersetzungen zu verhindern. Auch das erste Ligaspiel der beiden Vereine seit 2018 brachte eine erhöhte Polizeipräsenz am und um das Stadion mit sich.

    Das Stadion auf der Waldau der Stuttgarter Kickers ist aus zwei Gründen besonders. Zum einen liegt es auf knapp 500 Höhenmetern und ist somit eines der höchst gelegenen Stadien Deutschlands. Außerdem ist es das älteste Stadion in Deutschland, in dem noch Fußball gespielt wird. Seit 1905 tragen die Kickers ihre Heimspiele auf der Waldau aus. Die Lage im Grünen, direkt unter dem Stuttgarter Fernsehturm (übrigens weltweit der Erste seiner Art), macht optisch einen schönen oldschool Eindruck. Es hat zwei nicht überdachte Stehplatztribünen an den Hintertorseiten, sowie eine überdachte Haupttribüne mit Sitzplätzen und eine überdachte Stehplatztribüne auf der Gegengeraden. Hier steht auch die Fanszene rund um Blaue Bomber 95, Young Care 08 und Blue Fanatics 09 im B-Block.

    Die Stuttgarter Kickers wurden 1899 in, ironischerweise, Bad Cannstatt gegründet. Ein paar Mitglieder trennten sich vom Stammverein, dem Cannstatter Fußball Club, ab und gründeten den „Fußballklub Stuttgarter Cickers“ (ja, richtig geschrieben). Der Name wurde, ironischerweise, angelehnt an die Karlsruher Kickers.

    Die größten Erfolge feierten die Stuttgarter in den 1980er-Jahren. 14 Jahre lang festigte man sich in der 2. Liga, bis man 1987 mit dem Einzug ins Pokalfinale die größte Leistung der Vereinsgeschichte schaffte. Dort unterlag man dem HSV mit 1:3.

    1988 gelang sogar der Aufstieg in die erste Liga, wo man aber in der nächsten Saison direkt wieder abstieg. Leider durfte die Waldau nie Bundesliga-Fußballluft schnuppern, da „die Blaue“ auf Grund von DFB Sicherheitsauflagen, sowie aus wirtschaftlichen Gründen für ihre Heimspiele ins Neckarstadion des großen Stadtnachbarn umziehen mussten. 1991 stieg man nochmal in die Bundesliga auf, 1992/93 stieg man in die 2. und 1993/94 in die 3. Liga ab.

    Ab den 2000ern ging es sportlich und wirtschaftlich weiter bergab, man konnte an die Erfolge nicht mehr anknüpfen. 2004 ging es sportlich in die 4. Liga, wo man allerdings gerettet wurde, weil der Waldhof aus Mannheim, sowie der SSV Reutlingen insolvent waren und in die Oberliga mussten. Seither kämpften die Kickers in der 3. Liga um jeden Punkt, Achtungserfolge waren z.B ein Sieg im DFB Pokal über den HSV.

    Nach einer Horrorsaison 2008/09 war es aber soweit und der SVK musste zum ersten Mal den Weg in die 4. Liga antreten. 2012 gelang der Wiederaufstieg in Liga 3, dort hielt man sich, bis 2016 der Wiederabstieg in die Regionalliga eintrat. Dort verharrte man zwei Jahre, ehe man 2018 sogar in die Oberliga abrutschte und dort bis 2023 5. Liga spielen musste. 2023 schaffte man es wieder in die Regionalliga, am letzten Spieltag verspielte man den Aufstieg in die 3. Liga. Seither hoffen die Degerlocher jedes Jahr aufs neue, wann die Kickers wieder bundesweiten Fußball in der 3. Liga spielen werden.

    Für diese Aufgabe war der Gegner dieser Partie auch direkt der optimale Härtecheck. Für die Ulmer waren die vergangenen Jahre eine Achterbahnfahrt, von der Regionalliga in die 3. Liga aufgestiegen, schaffte man dort wiederum den direkten Aufstieg in die 2. Liga. In der 2. Liga konnte man sich allerdings nicht halten und ging wieder zurück in Liga 3 und es kam, wie es kommen musste, auch in dieser Liga scheiterte man am Klassenerhalt, sodass man zurück in der Regionalliga landete.

    Dieses Auf & Ab ist für den SSV auch historisch wenig Neues. Fußball wird in Ulm seit 1894 gespielt. 1909 spaltete sich die Fußballabteilung von dem Privatturnverein ab und gründete den Ulmer FV 1894.

    1924 gründete sich ein weiterer Fußballverein in Ulm, der SV Schwaben Ulm, welcher sehr erfolgreich Fußball spielte und bis in die damals höchste Liga in Deutschland aufstieg. Seit 1925 spielt man in Ulm im Donaustadion Fußball.

    1928 fusionierte der SV Schwaben Ulm mit einem weiteren Verein zum 1. SSV Ulm 1928. Dieser wurde in der Gauliga (die damals höchste Spielklasse) Württemberg zwei Mal Vizemeister.

    1939 wiederum mussten der Ulmer FV 1894, der TB 1846 Ulm und der TV 1868 Ulm zur TSG Ulm 1846 zwangsfusionieren.

    Beide Vereine, der 1. SSV Ulm 1928 und die TSG Ulm 1846, existierten und spielten parallel in Ulm, allerdings unterschiedlich erfolgreich. Die TSG Ulm 1846 spielte in der, damals höchsten, Oberliga, der SSV Ulm war nicht konkurrenzfähig und stieg ab bis in die Amateurklassen.

    1963, bei der Einführung der Bundesliga, qualifizierte die TSG Ulm sich durch ihre Platzierung in der Oberliga für die Regionalliga, die damals zweithöchste Spielklasse in Deutschland. Im Jahr 1970 fusionierten der 1. SSV Ulm 1928 und die TSG Ulm 1846 zum SSV Ulm 1846, was damals sogar den mitgliederstärksten Verein Deutschlands darstellte. In der eigenen Liga wurde man dann regelmäßig Meister, verspielte aber immer die Aufstiegsrunde. 1978 qualifizierte man sich durch die neu gegründete Oberliga für die 3. Spielklasse, wurde Meister und stieg daraufhin in die 2. Liga auf. In den 80er Jahren wurde man zu einer Fahrstuhlmannschaft, man wechselte ständig zwischen Liga 2 und 3.

    1998 stieg man erneut in die 2. Liga auf, ehe man 1999 sogar den Erfolg schaffte, in die Bundesliga aufzusteigen und somit erstklassig war. Diese Erstklassigkeit verspielte man denkbar knapp und stieg wieder ab in Liga 2. Auch dort konnte man sich nicht lange halten und pendelt seitdem bis heute zwischen Liga 3 und 5.

    Nach dem bereits erwähnten Exkurs in Liga 2 2024/25 sind die Spatzen wieder in der Regionalliga angekommen. Diesen Abstieg kommentierten die mitgereisten Ulmer zunächst mit einer Zaunfahnen vor dem Block, auf der stand in Großbuchstaben „als Ulmer lernt man eins: Aufstehen, Mund abwischen, Weitermachen!“. Ergänzt wurde diese Zaunfahne durch eine weitere, die über dem Gästeblock aufgehängt wurde, auf der nur groß „Forever SSV Ulm 1846“ stand.

    Über 3000 Ulmer wollten an diesem Tag ihrem Verein dabei helfen, dass der Start in die neue Runde ein erfolgreicher wird und so war eine große Kulisse für den Saisonauftakt gegeben. Bereits vor dem Spiel merkte man den Gästen an, dass sie heute sehr motiviert waren und ihre Visitenkarte auf der Waldau lassen wollten. So drangen einige Schlachtrufe und Gesänge vor dem Spiel in einer ordentlichen Lautstärke ins Stadion.

    Aber nicht nur die erwähnten 3000 Gäste reisten an diesem Tag ins Stadion, auch die Heimseite füllte sich ziemlich stark, was allerdings auch dafür sorgte, dass die Infrastruktur rund um Verpflegungsstände und Toiletten ziemlich ausgelastet waren und einige Menschen den Anpfiff verpassten, weil sie noch beim Bier holen anstehen mussten.

    Der B-Block startete mit einer netten Choreo in die Partie, zum Einlaufen der Mannschaften wurden blaue und weiße Folien hochgehalten, am Zaun wurde ein „Stuttgart“ Schriftzug sowie ein großes Stuttgarter Kickers Logo präsentiert, das machte alles einen runden Eindruck.

    Nach dem Anpfiff machten die 3000 Leute im Gästeblock auf sich aufmerksam, indem sie mit einer hohen Lautstärke Gesänge ins Stadion sangen, während auf dem Rasen der SVK auf sich aufmerksam machte, indem er deutlich besser und gefährlicher ins Spiel startete und nach nicht ein Mal 90 Sekunden bereits zwei Mal gefährlich in Richtung Tor kam.

    Auch der B-Block machte einen guten und motivierten Eindruck und hatte eine solide Mitmachquote. Leider haben die anderen Teile des Stadions sich nicht so mitreißen lassen, sodass ein zahlenmäßig starker und motivierter Gästeblock anfangs besser zu vernehmen war, als die Heimkurve. Aber die Anfangseuphorie ließ im Verlauf der Partie nach und es entwickelte sich ein Duell auf Augenhöhe auf den Rängen. An diesem Tag die beiden Kurven zu vergleichen, ist auch nicht zu 100% aussagekräftig, da es logisch ist, dass die Ulmer nach ihren Erfolgen der letzten Jahren eine größere Strahlkraft entwickelten, als die Kickers aus Degerloch, welche seit vielen Jahren in der Regional- und Oberliga spielen müssen.

    Generell gab es auf den Tribünen ein regelmäßiges Gepöbel und beide Seiten machten keinen Hehl daraus, dass ihnen am jeweils Gegenüber wenig liegt. Die Gäste aus Ulm reisten mit ihren Freunden von Rot-Weiß-Oberhausen, sowie ESV Kaufbeuren an, auf der Heimseite gab es Unterstützung durch Fans des SSV Jahn Regensburg.

    Auf der sportlichen Seite entwickelte sich wie auf den Tribünen ein Duell auf Augenhöhe, mit leichter Tendenz in Richtung der Stuttgarter. So ging es torlos in die Kabinen. In der Halbzeit sah man bereits die Blockfahnen im Gästeblock hochgehen und wusste, dass zur zweiten Halbzeit wohl etwas angehen dürfte.

    Was dann zum Anpfiff der zweiten Halbzeit anging, war das Flutlicht des Stadions, was zwar schön aussieht, aber nicht das Leuchten war, was man erwartet hatte.

    Die Ulmer Mannschaft startete besser und mit ordentlich Druck in die zweite Hälfte, aus dem Gästeblock kam in dieser Zeit erstaunlich wenig. Das änderte sich, als der SSV in der 51. Minuten einen Foulelfmeter zur 0:1 Führung verwandeltet und der Gästeblock ordentlich ausrastete. Zwei Minuten später hatte der SVK eine riesige Chance auf den Ausgleich, welche sie nicht für sich nutzten. Im Gästeblock dachte man sich daraufhin wohl, dass man der Mannschaft noch einen Schub Motivation geben sollte und zündete daraufhin über den Zaun verteilt weiße Blinker, was ein schönes Bild abgab.

    Die Ulmer Hintermannschaft nahm diese extra Motivation wohl etwas zu gerne an, weshalb sich ein Spieler in der 54. Minute mit gelb-rot verabschieden musste und die Mannschaft von der Donau daraufhin nur noch zu 10. war.

    Danach startete eine absolute Drangphase der Degerlocher und das Stadion verzweifelte teilweise schon an den verspielten Möglichkeiten. In der 73. Minute schafften sie dann aber doch den Ausgleich. Der Gästeblock motivierte ihre Mannschaft dann nochmal in einer ordentlichen Lautstärke, was auch zündete und Ulm schaffte in der 78. Minute dann den nächsten Treffer, nur leider auf der falschen Seite und schenkten so den Kickers die Führung. Die Waldau nahm dieses Geschenk natürlich dankend an und feierte das gedrehte Spiel. Noch während der Feier legte die Heimseite in der 79. Minute das 3:1 nach und die Stuttgarter konnten komplett frei drehen.

    Die positive Stimmung wurde dann nach ein paar Minuten durch zwei Ereignisse nochmals aufgefrischt. Zum einen durch einen Spieler aus der eigenen Jugend, welcher zu seinem ersten Profi-Spiel eingewechselt wurde (dazu das Zitat eines Gasts: „das hier sind Profis?“) und zum anderen als die Anzahl an Leuten durchgegeben wurde, welche heute anwesend waren. Denn erstmals seit 33 Jahren schafften es die Kickers, dass ein Ligaspiel mit 10.500 Personen komplett ausverkauft wurde. Und das für ein Viertligaspiel.

    Die Feierlaune wurde in der Nachspielzeit allerdings noch getrübt, als die Ulmer den Anschlusstreffer erzielten und der sicher geglaubte Sieg nochmals ins Wanken geriet. Dazu entwickelte sich auf dem Rasen eine hitzige Stimmung, inklusive roter Karte gegen die Ulmer Auswechselbank.

    Jetzt fehlte nur noch eine Sache, dass dieses Spiel eine komplette Achterbahnfahrt wird: Der 4:2 Siegtreffer durch das eingewechselte Eigengewächs der Kickers und somit ein komplett explodierendes Stadion, inklusive der kompletten Mannschaft + Reservespieler auf dem Rasen vor dem jubelndem B-Block auf dem Zaun.

    Kurz danach war Abpfiff, die Spieler der Kickers feierten mit den Fans, die letzten Sonnenstrahlen ließen den Himmel und den Hintergrund strahlen wie die Kinder auf den Zäunen, als die Mannschaft noch zum Abklatschen vorbeikam und Wolle Petry sang mit dem Stadion wie glücklich und frei man war und ist. Auch auf Ulmer Seite richtete man seinen Frust nicht gegen das Team, sondern gab der Mannschaft eine positive Energie für die nächsten Spiele mit.

    Zum Abschluss tauschten beider Kurven noch ein paar Nettigkeiten zwischen den Blöcken aus, ehe die Stuttgarter mit ihren „Derbysieger“-Rufen wohl das letzte Wort gehabt haben dürften.

  • Ein Wochenende in Österreich (3/3)

    Rekord-Pokalsieger in Rekord-Stadion: Wiener SC – FK Austria Wien

    Ein Wochenende in Österreich zu planen, ohne der Hauptstadt einen Besuch abzustatten, ist kaum vorzustellen. Deswegen führte der Weg am frühen Sonntag Morgen mit dem Schnellzug aus Innsbruck weit in den Osten Österreichs.

    Wien muss nicht beschrieben werden. Wer noch nicht da war, sollte die Stadt auf die Reiseliste setzen, auch fußballerisch wird hier einiges geboten, auch abseits von den großen Aushängeschildern.

    Am Hauptbahnhof angekommen, das Gepäck abgeladen ging es noch auf eine schnelle Schlender-Tour durch die Stadt. Bei schönstem Sonnenschein wurden mit dem Opernhaus, dem Burggarten, der Hofburg und dem Maria-Theresien-Platz zwischen Volks- und Kunsthistorischem Museum, sowie der Votivkirche einige Sehenswürdigkeiten im Eiltempo besucht und ein Kaiserschmarren zur Stärkung eingeschoben.

    Da die Sorge, etwas am oder um das Stadion herum zu verpassen, erneut groß war, ging es sehr zeitig mit der Linie 2 in Richtung Dornbach. Während am Bahnhof Hernals noch der optimale Weg Richtung Stadion studiert wurde, hallten bereits Schlachtrufe und Gesänge die Straße herunter. Dem geübten Ohr wurde direkt klar, hier wird gerade etwas verpasst. Die Beine in die Hand und die Ohren gespitzt ging es den Gesängen entgegen, die „Aus- Aus- Auswärtssieg!“-Rufe wurden erkennbarer. Am Ursprung der Gesänge angekommen, war direkt erkennbar, heute ist fanszenentechnisch nicht nur eine andere Hausnummer als die letzten Spiele, es ist eine andere Straße. Allein die Anzahl der Menschen, die bereits vor den Toren des Gästeeingangs warteten, waren bereits ähnlich viele, wie am Vortag im gesamten Tivoli zu finden waren. Entsprechend hoch war auch die Polizeipräsenz rund um den Eingang und die wartenden Fans. Ob die Anzahl der eingesetzten Einsatzkräfte nötig war, kann die Polizei Wien im Nachhinein besprechen.

    Erst als ein wenig Ruhe in die Gesänge einkehrte, konnte alles rundherum betrachtet werden. Dabei wurde z.B. auch ersichtlich, dass der bereits genannte Eingang zur Gästetribüne direkt auf der Rückseite eines Wohnhauses liegt. Auch die Flutlichtmasten ragen mitten zwischen den Wohnblöcken empor. Der Sport-Club-Platz liegt tatsächlich sehr englisch mitten in einem Wohngebiet.

    Um dieses Stadion dann doch genauer betrachten zu können, ging es dann wieder flotten Schrittes in Richtung Eingang der Haupttribüne, um das noch wenig gefüllte Stadion des Wiener SCs zu entdecken. Auch im Stadion wurde dann ersichtlich, wie eng der Spielort in den Wohnort eingebettet ist, direkt angrenzend an das Spielfeld ist die nächste Häuserreihe, von denen auch Anwohnende das Spielgeschehen von ihren Balkonen aus verfolgen.

    Der Wiener SC ist ein Verein aus dem Stadtteil Dornbach. 1883 gegründet und seit 1907 mit einer eigenen Fußballabteilung, ist es einer der ältesten (Fußball-)Vereine Österreichs. Obwohl die Fußballabteilung erst 1907 gegründet wurde, wird das Stadion bereits seit 1904 bespielt. Und das Besondere: Es wird seitdem stetig, bzw. durchgehend bespielt. Das macht es zum ältesten stetig bespielten Stadion Österreichs und vermutlich einem der ältesten gesamt Kontinentaleuropas (wenn man einschlägigen online Enzyklopädien Glauben schenken darf). Ob man es glauben mag oder nicht, der heutige Regionalligist gewann 1910 den Cup und wurde 1958 und 1959 Meister. In diesen beiden Jahren erreichte der Verein auch internationale Bekanntheit, indem man zwei Jahre in Folge im Europacup der Landesmeister das Viertelfinale erreichte und dort erst an Eintracht Frankfurt (welche späterer Finalist waren), bzw. Real Madrid (welche Real Madrid waren) scheiterte. 1958 gelang das Meisterwerk, Juventus Turin mit 7:0 zu besiegen, was bis heute die höchste Niederlage einer italienischen Mannschaft im Europa Cup bedeutet.

    Nachdem man 1960 die Meisterschaft nicht mehr gewann, konnte man auf Grund der ausbleibenden Erfolge nicht mehr mit den großen Vereinen mithalten und verlor den Anschluss. Trotz dessen schaffte man mit den Vizemeisterschaften 1969 und 1970 nochmals Achtungserfolge. 1974 wurde eine gesamtösterreichische Liga gegründet, der Stadt Wien wurden hierfür zwei Startplätze gewährt. Diese wurden den großen Wiener Vereinen gegeben, wodurch der Wiener SC erstmals den Gang in die zweite Liga antreten musste.

    1977 schaffte man den Aufstieg in die erste Liga, 1979 wurde man erneut Vizemeister. Ab den 1990er Jahren begann der Abstieg in die unterklassigen Ligen 3 und 4. Wer fleißig und aufmerksam den Bericht aus Innsbruck gelesen hat, weiß, was jetzt kommen muss: 1994 schaffte man den Aufstieg in die Liga 2, obwohl man das Aufstiegsspiel verloren hatte. Grund hierfür war, dass ein Verein aus der zweiten Liga insolvent zwangsabgestiegen war: der FC Tirol aus Innsbruck musste weichen aus Liga 2 und machte Platz für den WSC. Im Jahr darauf stieg man sofort wieder ab. Seither bewegt man sich zwischen den Ligen 3 und 4. Dennoch hat man eine treue Anhängerschaft, die regelmäßig den Sport Club Platz und die Friedhofstribüne besuchen kommen.

    Einer der Vereine, der Grund dafür war, weshalb der Wiener SC 1974 nicht in die erste Liga platziert wurde, stand heute auf der anderen Seite der Mittellinie: der FK Austria Wien.

    Die Geschichte der Austria ist vermutlich die, des größten Erfolgs in Österreich. 1911 gegründet aus einem Vorgängerverein, der bereits seit 1894 eine Fußballabteilung hatte, startete man unter dem Namen „Wiener Amateur Sportverein“, mit dem Spitznamen „Amateure“. Man wurde direkt in die „erste Liga“ Wiens gesetzt und startete souverän, ohne Bäume auszureißen. 1919/20 wurde man dann nur auf Grund des schlechteren Torverhältnis nicht Meister hinter Rapid und 1921 gewann man mit dem Cup (gegen den Wiener SC) den ersten Titel der Vereinsgeschichte. 1924 gewann man das Double, 1925 den Cup, 1926 erneut das Double in Österreich. 1926 empfand man auch den Namen „Amateure“ als nicht mehr angemessen und benannte den Verein um in Fußballklub Austria. Kurze Zeit später war der Verein pleite und die Kasse musste gepfändet werden. Bereits gewonnene Pokale, die im Vereinsheim standen, wurden versteigert, so hielt man sich über Wasser. Nachdem nach einigen Jahren der Erfolg wieder einsetzte, spielte die Austria im Mitropacup, dem damals größten internationalen europäischen Titel, welchen man 1933 und 1936 auch sensationell gewinnen konnte.

    In den Jahren darauf übernahm das NS Regime Deutschlands auch Österreich. Die Austria traf dies besonders hart. Der Vorstand des Vereins musste emigrieren, jüdische Spieler des Vereins (von denen es einige gab) durften nicht mehr spielen, der Spielstil des Vereins war zu „verspielt“ und war deshalb nicht gerne gesehen, der Verein wurde vorübergehend gesperrt und das Stadion umfunktioniert in eine deutsche Kaserne. Der Verein wurde umbenannt in SC Ostmark, der Name Österreichs in der NS Zeit.

    Der Verein besetzte den Vorstand die gesamte Zeit nicht nach, sondern hielt den Platz für den geflüchteten „Michl“ Schwarz frei, dem der Posten zugestanden hatte und der diese Rolle später auch wieder einnehmen konnte. Nach der Befreiung und den Aufbauarbeiten konnte sich die Austria, nun auch wieder unter diesem Namen, erneut zu einer Topmannschaft aufschwingen, 1949/50 wurde man erster Meister der gesamtösterreichischen Liga. Bereits 1954 gründete sich der erste Fanklub der Austria.

    In den 1960er Jahren war man Serienmeister in Österreich und um den Erfolg weiter zu sichern, war man der erste Verein in Europa, mit einem Brustsponsor auf den Trikots. Der Aufschrei unter Fans und Medien war groß, bereits damals fürchtete man den Tod des Fußballs.

    Seit 1974 spielt man im Franz-Horr-Stadion, Ende der 70er wurde man erneut Serienmeister in Österreich und erreichte internationale Halbfinal- und sogar Finalspiele, der ganz große internationale Coup blieb aber aus.

    Auch in den 80er und 90er Jahren feierte man einige Meister- und Cup-Titel. 2002/03 gewann man mit einem gewissen Christoph Daum das Double, dessen Nachfolger ist in Deutschland ebenfalls ein bekannter Name: Joachim Löw. Wie auch Christoph Daum, blieb auch dieser nicht lange im Amt.

    2005 erreichte man nochmal das Viertelfinale des Uefa Cups, 2012/13 wurde man das letzte Mal Meister, was 2013 zu der letzten Champions League Gruppenphase führte.

    Insgesamt wurde der FK Austria Wien 24 mal Österreichischer Meister und gewann 27 mal den Cup. Beides bedeutet Rekordsieger in Österreich für den jeweiligen Wettbewerb.

    Damit man in diesem Jahr Pokalsieg Nummer 28 einfahren darf, war man auf Seiten der Austria Fans motiviert und zahlreich in den 17. Bezirk gefahren. Bereits früh nahmen die Fans ihren Platz auf der „schwarzen Tribüne“ ein und begannen zu singen und die bevorstehende Choreo aufzubauen.

    Bereits zum Aufwärmen hin machte die Osttribüne ordentlich Alarm auf den Rängen und gab der Mannschaft einen extra Boost Motivation mit. Die Friedhofstribüne auf der Heimseite versuchte anfangs ein wenig, dagegen anzukommen, hatte aber gegen eine Kurve dieser Größe, Erfahrung und Koordination keine Chance. Hinzu kam, dass die Hälfte des Stadions gefüllt mit Austria Fans war.

    Die extra Motivation der Mannschaft in Kombination mit einem fehlenden Fangnetz hinter dem Tor, sorgte dafür, dass beim Aufwärmen Schüsse so dermaßen brutal auf der Tribüne einschlugen, dass man kurzzeitig Sorge um die Unversehrtheit der Fans haben musste.

    Zum Einlaufen der Mannschaften zeigte die Heimseite ein Spruchband in Solidarität der Opfer des Attentats auf den CSD in Berlin.

    Die Osttribüne im Gästebereich zeigte eine Choreo aus hochgehaltenen Plastikfahnen, die das Austria Logo auf der einen Seite der Tribüne und einen vermummten Anhänger auf der anderen Seite zeigten. Leider aus dem eigens gewählten Blickwinkel schlecht zu erkennen, bei einer Frontalansicht sieht man es genauer, auf der Seite der Osttribüne Wien kann man Fotos hierzu ansehen.

    Noch während die Choreo abgebaut wurde, erzielte Johannes Eggestein in der 2. Minute das erste von seinen insgesamt 3 Toren an diesem warmen Sommerabend. Dieser Startschuss hieß für die Osttribüne: frei drehen. Die Lieder kamen teils mit einer „absurden Lautstärke“ (Zitat aus eigener Notizen-App während des Spiels), das Liedgut war abwechslungsreich und kreativ. Die Mitmachquote beim Singen war sehr gut, der Materialeinsatz durch z.B. Schals oder Fahnen (außerhalb der großen Schwenkfahnen) leider nicht so gut wie der akustische Support.

    Die Gruppen der Austria verabschiedeten und gedachten in der ersten Halbzeit per Spruchband und gezündeter Fackel einer verstorbenen Person. Dass die Offiziellen diesen Akt respektierten und keine Durchsage bezüglich gezündetem Pyromaterial machten, ist hier positiv hervorzuheben.

    Positiv hervorzuheben ist auch die Kampfbereitschaft des WSC. Dieser gab nach dem 0:1 nicht auf und brachte sich immer wieder in fast gefährliche Situationen. Kurz vor der Halbzeit landete ein Abschluss auf der Latte und hätte beinahe das 1:1 mit dem Halbzeitpfiff beschert.

    Aber „hätte, hätte,…“, es ging mit dem 0:1 in die Kabinen. In der Halbzeit erkannte man bereits, dass zu Anfang der zweiten Hälfte eine Aktion geplant war. Die zweite Halbzeit begann mit einem Knall. Und das im wahrsten Sinne des Wortes, schossen mit einem unfassbar lauten Knall diverse Rauchspuren in den Vereinsfarben die schwarze Tribüne hoch. Dahinter wurden viele Rauchtöpfe in den gleichen Farben gezündet, sodass ein Rauchfeld ins Stadion zog, was eine Unterbrechung mit sich zog.

    Direkt im Anschluss an die Unterbrechung schoss die Austria in Minute 50 das 2:0, in Minute 55 das 3:0 und in Minute 58 das 4:0. Dass hier nichts mehr in Richtung Überraschung geht, war ab hier allen klar. Die Heimfans hofften auf einen Ehrentreffer, die Gastseite feierte den souveränen Auftritt und gaben ordentlich Gas. Nachdem in Minute 75 noch das 5:0 fiel, drehte die Osttribüne völlig frei und es gab eine Art „Chaos-Support“: der Gästeblock wurde in der Mitte in eine linke und rechte Hälfte geteilt und abwechselnd in den Strophen durfte erst die eine, dann die andere Seite oben ohne ihre T-Shirts wedeln, nach links oder rechts gedreht, nach oben oder unten verdreht, Material wedelnd oder einfach hüpfend – im Gästeblock war gegen Ende der Partie eine Party, welche selbst beim Zusehen Spaß gemach hat. Für die Leute auf der Tribüne wird das ein Auftritt gewesen sein, an den sie sich in Zukunft immer wieder gerne erinnern werden.

    Jemand weiteres, der sich an diesen Tag gerne zurück erinnern wird, ist der ca. 10-jährige Junge, der mit seinem Opa das Spiel besuchte. Der Junge hat sich zum Abpfiff hin so gefreut, dass sein Opa ihn mitgenommen hat, dass er ihn in den Arm genommen und einfach „Danke Opa!“ gesagt hat. Für solche Momente hat man den Fußball lieben gelernt.

    Nach dem Abpfiff kamen die Mannschaften noch zu ihren Fans und bedankten sich für den Support. Natürlich hatte der Bundesligist mehr zu feiern, als der ausgeschiedene Regionalligist.

    Das war der Abschluss eines ereignisreichen Fußball-Wochenendes in Österreich. Mit dem Nachtzug ging es zurück nach Deutschland, am nächsten Morgen wartete bereits die nächste Dienstbesprechung.

  • Ein Wochenende in Österreich (2/3)

    Ein Traditionsverein zurück im Profibereich, Wacker Innsbruck – SVG Reichenau

    Über 4 Jahre ist es her, dass Wacker Innsbruck zahlungsunfähig war, die Profilizenz entzogen bekam und einen Zwangsabstieg in Liga 5 antreten musste. Nun ist Wacker zu dieser Saison 26/27 nach einem Aufstieg in die Liga 2 wieder zurück auf der großen, bundesweiten Bühne in Österreich und somit zurück im Profigeschäft.

    Da eine bundesweite Liga auch bundesweite Auswärtsspiele beinhaltet, startet die neue Saison netterweise sparsam für aller Geldbeutel im heimischen Tivoli. Der Gegner, die SVG Reichenau, kommt aus dem, vom Tivoli 3,5 Kilometer entfernten, Stadtteil Reichenau und hat auf das eigene Stadion als Spielort verzichtet. Über ihre Website haben sie kommuniziert, dass die Begegnung „ein Fest für alle Tiroler Fußballfans“ werden solle, weshalb das Tivoli als Austragungsstätte gewählt wurde.

    Also ging es nach dem Spiel in Vorarlberg noch spätabends mit dem Zug von Dornbirn nach Innsbruck. Am Tag darauf sollte der Anpfiff erst um 18:00 Uhr sein, es gab also genug Zeit, der zweitliebsten Sache einer solchen Fußballreisen nachzugehen: dem Schlendern. Da die größte Stadt Tirols einiges zu bieten hat, startete der Tag mit einer Stärkung. Dabei fiel die Nordkette auf, ein Gebirgszug, der den nördlichen Rand Innsbrucks markiert. Mit der Nordkettenbahn kommt man von der Innenstadt bis hoch auf die Berge. Und mit dem völlig legal erlangten Freizeitticket kommt man sogar ohne weitere Kosten bis auf die Hafelekarspitze, was den höchsten Punkt der Nordkette bildet. Dort oben kann man bei einer wunderbaren Aussicht auf die Umgebung der Hitze der Stadt entkommen. Am Gipfelkreuz fehlt aber leider weiterhin ein aBb-Kleber.

    Apropos Kleber: Ein Indiz darauf, dass Innsbruck deutlich fußballverrückter ist, als z.B. Dornbirn, ist die Gestaltung der Laternenmasten und Hauswände der Stadt. Häufig springen einem solche Kleber ins Auge, egal ob mit Vereins- oder Fanszenenbezug. Auch daran war zu erkennen, dass es supporttechnisch im Stadion heute eine andere Hausnummer wird, als am Tag zuvor.

    Es hängen aber auch jede Menge Chemie Leipzig und Eintracht Frankfurt Aufkleber in der Stadt. Am Wochenende zuvor war die BSG zu einem Freundschaftsspiel in Innsbruck und 2.000 mitgereiste Chemiker konnten internationales Auswärtsfeeling schnuppern. Nebenbei haben sie Innsbruck mitsamt Fanmarsch durch die Innenstadt aufgemischt.

    Nächstes Apropos: Apropos Fanmarsch: Die Tivoli Nord (die Tribüne der Fanszene Wackers) hat ebenfalls zum gemeinsam Marsch in Richtung Stadion aufgerufen, um die Profisaison gebührend einzuläuten. Schlecht geschätzte 1.000 Personen folgten dem Aufruf und so lief ein ordentlicher Mob durch die Innsbrucker Innenstadt zum Tivoli. Um dieses herum liegt ein Areal mit Freibad, Sportgeländen und der Olympiahalle.

    Im Gegensatz zum Vortag war das Stadion bei der eigenen Ankunft schon geöffnet, also ging es hinein und auch hier wieder zum Verpflegungsstand und anschließend auf die Westtribüne, welche als einzige, abgesehen von der Nordtribüne, geöffnet war. Von hier kann man erneut einen schönen Blick auf die Nordkette werfen. Tipp für einen zukünftigen Stadionbesuch: Falls mehrere Tribünen geöffnet sein sollten, habe man von der Osttribüne den schönsten Blick auf das Panorama. Das Stadion an sich ist ein typisches Profi-Fußballstadion mit einer Kapazität von 17.000 Plätzen. Allerdings war das Stadion mit 2925 Personen kaum gefüllt, was auch erklärt, wieso zwei der 4 Tribünen überhaupt nicht geöffnet wurden.

    Einzig die Nordtribüne war schon ein wenig gefüllt. Anhand des Zaunfahnenbilds konnte man erahnen, dass hier ein (ehemals sehr großer) Traditionsverein Österreichs beheimatet ist. Die Geschichte von Wacker ist wie die Gegenwart, geprägt von sehr vielen Auf und Abs. Die gesamte Historie könnte ein eigener Beitrag werden, deshalb ist hier ein Versuch, es ein wenig zusammenzufassen (wen es interessiert, kann gerne auf der Website von Wacker Innsbruck alles genauer und ausführlicher nachlesen): Gegründet wurde der Verein 1913 oder 1914 oder 1915, hierbei fängt es schon an. 1913, ist das emotionale Gründungsjahr, 1914 wurden die Auflagen eingereicht, 1915 bestätigt bzw. genehmigt. Bereits die Anfangsjahre waren geprägt von Aufstiegen, Abstiegen, Rettung durch Vereinsfusionen usw. In den Nachkriegsjahren ab 1950 begann ein kleiner Aufschwung und Wacker Innsbruck schaffte es bis in die erste Liga. Dort verpasste man knapp die Meisterschaft, im Jahre 1970 gelang mit dem Cupsieg der größte Erfolg der bisherigen Vereinsgeschichte. Das war auch der Startschuss für die erfolgreichste Phase des Vereins. 1971 wurde man das erste Mal Meister, noch in der Nacht darauf folgte aus wirtschaftlichen Gründen eine Fusion mit der WSG Wattens zur SSW Innsbruck („Spielgemeinschaft Swarovski Wacker Innsbruck – Spielgemeinschaft FC Wacker Innsbruck – Werksportgemeinschaft Wattens“ war der offizielle Name). Bis 1979 folgten 4 weitere Meisterschaften und 5 Pokalsiege. Im Jahr darauf folgte ein überraschender Abstieg, zwei Jahre später stieg man wieder auf in die erste Liga.

    Trotz solider Platzierungen, stieg die Unzufriedenheit bei Verantwortlichen und nachdem die Sparkasse Sponsorentätigkeiten einstellte, konnte Swarovski Mitte der 80er Jahre als Hauptinvestor den Verein nach eigenen Wünschen umstellen. Es entstand der FC Swarovski Tirol mit den Vereinsfarben blau und weiß, welcher in der Liga und im Pokal Erfolge feiern durfte, während der FC Wacker Innsbruck mit eigener Mannschaft wieder in der untersten Spielklasse von neu starten musste. In den 90ern endete das Projekt FC Swarovski Tirol, Wacker bekam die Profilizenz zurück und startete als FC Wacker Swarovski Innsbruck wieder in der Liga. In der Liga war man nicht erfolgreich, den Pokal konnte man ein Mal nach Tirol holen.

    Da das Interesse und Zuschauerzahlen zurückgingen, meinte ein Teil des Vorstandes, dass „der Wacker“ nicht mehr interessant und ansprechend genug sei, so dass die Gründung des FC Tirol folgte und auch die Vereinsfarben mehrmals wechselten. Der FC Tirol blieb in der Bundesliga, Wacker Innsbruck durfte erneut von unten starten, bis man 1999 auf Grund von fehlenden Geldern den Spielbetrieb einstellen musste. Der FC Tirol feierte zwar noch ein paar Meisterschaften, ging aber insolvent und wurde 2002 aufgelöst.

    Nun hoffte man natürlich, dass man zurückkehren kann zum FC Wacker Innsbruck. In weiser Voraussicht sicherte sich eine Faninitiative die Wort- und Bildrechte am FC Wacker Innsbruck. Entgegen der Hoffnungen wurde der neugegründete der FC Wacker Tirol. Dieser neu gegründete Verein war wieder eine Spielvereinigung mit der WSG Wattens. Der Verein wurde als reiner Mitgliederverein gegründet. Nach einigen Aufstiegen wurde in der zweiten Liga die Spielgemeinschaft mit Wattens wieder gelöst, welcher in die 4. Liga gehen musste, während Wacker in der zweiten Liga den Aufstieg feiern durfte und wieder erstklassig war.

    Zwischen den Fans und dem Verein entstand mit der Zeit aber eine große Kluft. Die Fans supporteten den FC Wacker Innsbruck, auf dem Feld spielte allerdings der FC Wacker Tirol. Es gab eine Menge interne Streitereien. Auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung, wurde der Antrag auf Umbenennung des Vereins durch Druck von Vorstand, Wirtschaft, Politik und unter Tumulten und hitzigen Wortgefechten, zurückgezogen.

    Da die Zuschauerzahlen weiter stagnierten und der Verein als uninteressant empfunden wurde, wurde eine Markenstudie in Auftrag gegeben. Das Ergebnis hiervon war eindeutig, dass die Öffentlichkeit mit den Gegebenheiten („FC Wacker Tirol“ in Farbkombination grün/schwarz und der fehlende Support der Nordtribüne des Vereins) auch in Zukunft nicht den Verein ansprechend finden werden. Es wurde also daran gearbeitet, den Verein für die Öffentlichkeit interessant zu gestalten. Es wurde eine Vereinbarung mit den Fans erarbeitet, sodass diese sich wieder mit dem Verein solidarisieren. Auch das Wappen des Vereins wurde angepasst und ansprechender gestaltet. Und dies funktioniert nur, wenn der Name des Vereins geklärt ist: Nach Betrachten der vielen möglichen Vereinsnamen und Abklären der Befindlichkeiten der Kooperationspartner wurde man sich einig, dass es nur unter einem Namen funktionieren kann – FC Wacker Innsbruck.

    Nachdem die Gräben geschlossen wurden und eine Einigung erzielt wurde, löste sich die Faninitiative auf und übergab die Wort- und Bildrechte wieder dem Verein.

    Doch sportlich kehrte in Innsbruck keine Ruhe ein. Der Verein bewegte sich immer zwischen den Ligen, bis es im Jahr 2022 zum erneuten Super-GAU kam. Auf Grund fehlender Liquidität, unter anderem durch dubiose Geschäftsleute, wurde Wacker die Profilizenz entzogen. Der Verein startete in der 5. Liga von vorne und ist nach Aufstiegen heute, zur Saison 26/27, wieder im Profigeschäft angekommen.

    Betrachtet man die Historie des Vereins, kann man die Bedeutung der riesigen „Keinen Schritt zurück!“ – Schwenkfahne für die Fanszene des FC Wacker Innsbruck wohl nochmal deutlich besser verstehen.

    Zurück im Hier und Jetzt empfängt der wiederauferstehende Riese aus Österreich den kleinen Nachbarn aus der Reichenau. Die Vorzeichen standen gut für den Zweitligisten, war man doch die höherklassige Mannschaft und hat zusätzlich durch den Wechsel im Austragungsort ein Heimspiel. Die Vorzeichen waren klar und so wirkten auch die ersten Minuten des Spiels. Wacker spielte solide und überlegen, kam regelmäßig vor das gegnerische Tor und ließ gleichzeitig kaum etwas zu. In der 20. Minute bekam man folgerichtig einen Elfmeter zugesprochen, der souverän verwandelt wurde und kurz vor der Halbzeit konnte man noch das 2:0 nachlegen und ging mit einer Führung in die Kabinen, die nie wirklich gefährdet war.

    Ein Highlight abseits des Platzes entstand, wie bereits am Vortag schon, mit der Beteiligung der Balljungen. Ein halbleeres Stadion ist so schon weniger imposant, als ein volles. Was ist aber ein weiteres Problem bei leeren Tribünen? Richtig, die Grundgesetze der Mechanik bleiben für geschossene Bälle weiterhin gültig. Heißt, ein fliegender Ball interessiert sich nicht für geschlossene Tribünen, er landet trotzdem darauf. Und auf geschlossenen Tribünen braucht es kein Personal. Wie bekommt man also als Heranwachsender Teenager den Ball von der leeren Tribüne? Räuberleiter. Also machten sich drei Jungen zusammen, bildeten eine 1A Räuberleiter, während 2 Meter daneben ein Profi-Fußballspiel stattfand und hangelten sich so auf die Tribüne.

    Betrachtet man das Geschehen auf den geöffneten Tribünen, zeichneten sich zwei unterschiedliche Bilder. Die Westtribüne war recht gemütlich drauf und ließ sich außerhalb von Torjubeln wenig aus der Ruhe bringen. Das komplette Gegenteil war auf der Nordtribüne zu Gange. Die Fanszene des FC Wacker Innsbruck rund um die Gruppen „Wacker Unser“, „Unterland“, „i furiosi“ und „verrückte Köpfe“ machten ordentlich Alarm auf ihrer Tribüne. Sie stellten sich oberhalb einer großen „1913“ Blockfahne auf und überzeugten durch eine außergewöhnliche und abwechslungsreiche Liedauswahl mit einer sehr guten Mitmachquote und ordentlicher Lautstärke, auch hat der Trommler schon mal höher getrommelt. Zudem war der optische Support, rund um den Fahneneinsatz, schön anzusehen.

    Ähnlich souverän wie die Fanszene auf der Tribüne, brachte Wacker die zweite Halbzeit auch sportlich über die Bühne. Die Reichenau kämpfte wacker, aber der Klassenunterschied war einfach zu groß. Sie kamen zwar einige Male in Richtung des gegnerischen Tors, sehr gefährlich wurde es aber leider kaum. Man kann ihnen zwar nicht absprechen, alles gegeben und gekämpft zu haben, aber viel zu holen war an diesem Tag für sie nicht. Kurz vor Abpfiff erzielte Wacker noch den 3:0 Endstand.

    Nach Abpfiff sind die Mannschaften noch zu den Fans, die Reichenau ist zu den Familienmitgliedern, Freunden und Vereinsmitarbeitenden auf der Tribüne, während die Spieler von Wacker in Richtung der Nordtribüne gingen, um noch dort mit den Fans zu feiern.

    So endete der zweite Tag des Wochenendes in Österreich mit einem erfolgreichen Spiel für den Traditionsverein aus Tirol. Nach Verlassen des Stadions hieß es, schnell zurück ins DKInn und die Tasche packen, am nächsten Morgen ging es noch weiter in die Hauptstadt, für ein Highlight zum Abschluss. Den Bericht dazu lest ihr in Beitrag 3/3 der Wochenend-Serie.

  • Ein Wochenende in Österreich (1/3)

    Freitag: Bundesligaschreck trifft Bundesliga: FC Dornbirn – SV Ried


    12.000 Plätze besitzt das Stadion Birkenwiese (oder wie Stadien neuerdings offiziell natürlich heißen müssen: Sparkassen Arena Birkenwiese) in Dornbirn maximal. Das ist fast ein Viertel der Anzahl der Menschen, die dort leben. Ein fußballverrückter Ort also?

    Das Wochenende startet irgendwo in Deutschland, mit dem Regionalverkehr in Richtung österreichische Grenze. Heißt: vier Mal umsteigen auf 220 Kilometer. Ein Wochenende in Österreich muss aber auch finanziert werden und da kommt das Deutschlandticket sehr gelegen. Und im ICE Ruheabteil erlebt man nunmal auch nicht fünf biertrinkende Mittvierziger, von denen jeder nochmal einen Ticken besser als der Vorgänger weiß, wie man das Zugfenster öffnet. Einfachste Art: lieb bei der Zugbegleiterin fragen, die beim Lokführer die Verriegelung entsperren lässt.

    Die Zeit nach Dornbirn verging wie im Zug und dort angekommen stieg bereits die Vorfreude auf das Cupspiel am Abend. Die persönliche Sommerpause neigt sich dem Ende zu und das erste Spiel nach der langen Zeit, ist ein Spiel direkt an der Basis: Der FC Dornbirn aus der Regionalliga West empfängt den etablierten Bundesligisten SV Ried. Bereits letzte Saison fiel mit dem Grazer AK hier ein Bundesligist in der 1. Runde auf die Nase. Ried sollte also gewarnt sein.

    Da es bis zum Anpfiff noch einige Zeit war, ging es vom Bahnhof zu Fuß erst durch den kleinen Urlaubsort und dann zum Ach (ein Witz mit Akh <-> Ach muss hier leider mangels Kreativität liegen gelassen werden). Der Dornbirner Ach ist ein kleiner, aktuell wenig Wasser tragender Flusslauf. Wenn man diesem in die richtige Richtung folgt, kommt man zum Stadion Birkenwiese. Um die geschundenen Füße ein wenig zu erholen, landeten ebenjene noch kurz im Wasser.

    Da weder im Ort, noch auf dem Weg etwas darauf hindeutete, dass hier heute noch ein Fußballspiel stattfinden sollte, kam der leise Verdacht auf, dass Dornbirn vielleicht tatsächlich gar kein fußballverrücktes Dörfchen sein könnte. Allerdings kam auch die Sorge auf, eine kleine Feier vor dem Stadion zu verpassen, weswegen schnell wieder die Schuhe geschnürt und der restliche Weg zum Stadion angegangen wurde. „Birkenwiese“ ist eine Siedlung am Rand der Gemeinde Dornbirn. Auf dem Weg Richtung Ziel sah man bereits die Flutlichtmasten des Stadions direkt hinter den Gärten der Häuser stehen.

    Die Birkenwiese ist ein nettes, altes Regionalliga-Stadion. Es besitzt eine maximale Kapazität von 12.000 Plätzen, ist in der Wohnsiedlung gelegen, dahinter grenzt das Olympiazentrum Vorarlberg mit Hallen, Beachvolleyballplätzen, Fußballplätzen, usw. an. Im Panorama türmen sich die Berge auf.

    Bei der Suche nach dem optimalen Fotospot um das Stadion herum, führten das ständige Hoch- und Runterschauen und der helle Bildschirm wohl zu Halluzinationen, denn es schien im Augenwinkel, als würden zwei jugendliche Füße unter einem Tor hindurch rutschen, ohne auf die Stadionöffnung zu warten. Aber sowas würde man nicht machen, denn das darf man nicht.

    Von der Suche nach einem Fotospot zurück bei der Tages-Kassa waren die Tore leider immer noch verschlossen. Auch eine Feier vor dem Stadion gab es hier nicht. Die Stimmen, dass Dornbirn jetzt wohl wirklich kein fußballverrücktes Dorf sei, wurden weiterhin lauter. Eine Handvoll Menschen stand am Stadion, die sich auch alle gegenseitig grüßten und redeten. Fußballverrückt vielleicht also nicht, aber auf jeden Fall herzlich und nachbarschaftlich. Diesen Eindruck bekam man auch nach Einlass vermittelt.

    Also auf zum Verpflegungsstand, dem Regionalligisten finanziell unter die Arme gegriffen und die Zeit bis zum Anpfiff mit Beobachten verbringen: Die Mitarbeitenden des Vereins, die das alle vermutlich nicht hauptberuflich, aber dafür mit Freude tun. Die Balljungen aus der Kindermannschaft beim selber Fußball spielen. Die Mannschaften beim Aufwärmen. Das sich langsam füllende Stadion und die Menschen die hier herkommen, um keinen hochklassigen Spitzenfußball zu sehen, sondern um den Verein ihres Heimatorts zu unterstützen.

    Was meistens auch spannend zu beobachten ist, ist der Gästebereich. Die Fanszene des SV Ried, um die Glory Boys 05 und die Supras 96, gehört auf jeden Fall zu den etablierten Szenen in Österreich. Auswärts sind sie aber in aller Regel ein deutlich kleinerer Haufen. Lange war der Gästeblock am Rand der langgezogenen Stufen auf der gegenüberliegenden Seite nur mit ein paar Leuten gefüllt. Die Glory Boys flaggten bereits relativ früh an, die Supras erst während der ersten paar Minuten des Spiels. Kurz vor Anpfiff erst, kamen noch einige weitere Personen auf die Stufen dazu. Es blieb aber ein überschaubarer Haufen, der die 365 Kilometer Strecke am Freitag auf sich genommen hat. Dieser war aber motiviert und hatte bei Gesangseinlagen eine 100% Mitmachquote. In der ersten Halbzeit war es jedoch kein durchgängiger Support, sondern abhängig vom Spielverlauf.

    Auf der Heimseite hatte man außer 12 abgezählten gesangsfreudigen Biertrinkern keinen Gegner auf der Tribüne, was einen hätte motivieren können. Diese 12 Leute verloren dann zusätzlich auch relativ schnell wieder die Freude am Singen. Gehört haben die Fans im Gästeblock die Leute bestimmt dennoch, haben sie sich doch direkt auf den langgezogenen Stufen neben dem Gästebereich platziert. Vermutlich, um die Leute auf der überdachten Sitzplatztribüne nicht zu belästigen.

    Die Hydration Break macht auch vor dem ÖFB Cup keinen Halt, wobei es hier tatsächlich warm war und vermutlich kann man das Stadion auch gar nicht auf 20°C temperieren. Aber ob der Einspieler der Sparkasse Vorarlberg während der Trinkpause wirklich finanziell profitabel für den FC Dornbirn war, sei mal dahingestellt.

    Der SV Ried wurde seiner Favoritenrolle gerecht und war in der ersten Halbzeit die klar tonangebende Mannschaft. Nach 30 Minuten fiel das 0:1 für die Gäste, kurz vor dem Halbzeitpfiff folgte dann das 0:2. So ging es dann in die Kabinen.

    Nach Wiederanpfiff zeigte sich ein komplett umgedrehtes Bild und der FC Dornbirn kam wie die Feuerwehr aus der Kabine. Es folgte eine Drangphase des Regionalligisten, bei dem drei, vier hochkarätige Chancen ungenutzt blieben. In der 55. Minute sorgte eine unfassbare Einzelaktion samt Traumpass und ein strammer Abschluss für den Anschlusstreffer, nach dem man als Vorarlberger schon mal denken konnte, dass hier noch was gehe. Drei Minuten später sorgte ein abgeklärter Angriff dann für das nächste Tor und es stand wieder 1:3, der alte Abstand war wieder hergestellt. Da erkannte man die Abgezocktheit des Bundesligisten. Dieser lies sich auch nicht mehr aus der Ruhe bringen und legte in Minute 72 und in der Nachspielzeit noch das 1:4, bzw. das 1:5 hinterher. Einziger Lichtblick war der Torwart Dornbirns, der ein paar Mal spektakulär dafür sorgte, dass der Bundesligist nicht noch höher gewinnen konnte.

    Ein persönliches Highlight in Halbzeit zwei waren die Balljungen im Alter von ca 5-7 Jahren. Diese wollten hinter dem Tor ihr eigenes Können unter Beweis stellen und bugsierten ihren Spielball geradeaus auf das Spielfeld, diesen nahm ein Spieler des SV Ried einfach als Störball wahr und jagte ihn mit Karacho wieder heraus aus dem Spielfeld.

    An Spieltagen passen in die Birkenwiese 7.500 Personen, anwesend waren offiziell 800, wovon ca 40 im Gästeblock waren. Diese fanden in der 2. Halbzeit ihre Singeslaune und haben quasi durchsupportet, was nach einer Menge Spaß im Mob aussah. Nach Abpfiff konnten sie noch mit ihrer Mannschaft den Einzug in die 2. Runde im Pokal feiern.

    Die Heimseite feierte stattdessen, dass sie es dem Erstligisten teilweise schwieriger machten, als das Ergebnis es vermuten lassen könnte. Dornbirn ist kein klassischer, fußballfanatischer Ort, aber: Die Leute hier kennen sich, man grüßt sich, redet miteinander, lacht und bezahlt sich gegenseitig Getränke. Fußball, wie man ihn auf dem Bolzplatz lieben gelernt hat – ein Miteinander.

    Ein schöner Start in das Österreich Wochenende mit einem besonderen Stadion war gelungen und setzte gute Vorzeichen auf die kommenden Tage. Der Weg führte also zurück zum Bahnhof, denn am nächsten Tag wartete bereits das nächste Spiel mit einem Stadtduell. Den Bericht dazu könnt ihr im nächsten Beitrag lesen.

  • Zwischen Meer und Stadtmauer: Stadion Piran

    Zwischen Meer und Stadtmauer: Stadion Piran

    Name: Stadion Pod Obzidjem Piran

    Standort: IX. Korpusa 31, 6330 Piran, Slowenien

    Verein: NK Portorož-Piran, 4. Liga Slowenien

    Kapazität: 750 Personen

    Besonderheit: Dieses Stadion liegt in der Stadt Piran im Golf von Triest. Das Besondere ist, die „Haupttribüne“ liegt mit dem Rücken zu einer Klippe zum Meer, das eine Kopfende des Platzes liegt direkt an der Stadtmauer Pirans, von der aus man ein Spiel sehen könnte. Das Stadion mit Kunstrasenplatz verfügt sogar über eine Flutlichtanlage. Leider war es mir verwehrt, hier ein Spiel zu sehen, da ich es in der Sommerpause durch Zufall bei einer Stadterkundung entdeckt habe.

    Es lohnt sich, sich weitere Bilder dieses Stadions anzusehen oder im besten Fall sogar selbst zu einem Spiel hierher zu reisen.

  • SC Austria Lustenau – SKU Amstetten

    SC Austria Lustenau – SKU Amstetten

    Aufstieg in der Liga Zwa?

    „Macht euch zu Helden“ stand in Großbuchstaben auf dem Banner vor der Nordtribüne Lustenau, als die Mannschaften den Rasen betraten.

    Links und rechts davon brannten grüne und weiße Fackeln, über die Tribüne verteilt wurden Plastikfahnen gewedelt, in denen die Vereinsfarben ebenfalls wieder aufgegriffen wurden.
    Lustenau hatte die Chance, seit dem Abstieg 2024 wieder
    in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Nachdem der erste Matchball in der vorherigen Woche im Duell gegen die Austria aus Salzburg noch vergeben wurde, wollten sie es beim Heimspiel am letzten Spieltag (oder wie man in
    Österreich sagt: in der letzten Runde) der Saison besser machen.
    Die Ausgangssituation war knapp, aber mit dem Vorteil auf Seiten von Lustenau. Ein Punkt Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus St. Pölten, welcher das bessere
    Torverhältnis hatte und 3 Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten FAC Wien, der aber ebenfalls ein deutlich besseres Torverhältnis hatte. Heißt: alles in
    eigener Hand, verlieren dennoch verboten.
    Die Nordtribüne Lustenau mobilisierte für das Finale und rief auf zum gemeinsamen Treffen und Einstimmen in der Stadt, bevor es zu Fuß gesammelt gemeinsam zum Reichshofstadion ging.

    Ein außergewöhnliches Stadion, die Tribünen und Überdachungen bestehen größtenteils aus Holz, die auf einem Unterbau aus Beton errichtet wurden. Die vier, jeweils 40 Meter hohen, Flutlichttürme lassen
    einen das Stadion schon von weitem erkennen.

    Holz als Baustoff für ein Fußballstadion wirkt im ersten Moment untypisch, passt aber sehr gut in die 15000 Einwohnenden Gemeinde in Vorarlberg. Überall, wo man sich im
    Reichshofstadion (oder wie es offiziell heißt: SUN MiniMeal-Arena) bewegt, riecht es nach dem verbauten Holz und man spürt die Schritte der rennenden Kinder auf den Tribünen.
    Auch interessant: Der Neubau kennt noch keinen Bundesliga-Fußball. Das alte Stadion wurde im November 2023 noch während der laufenden Saison abgerissen. Die Austria musste während der Bauarbeiten ins ca. 15 Kilometer
    entfernte Bregenz ausweichen und dort ihre letzte Bundesligasaison zu Ende spielen. Somit wohl eine doppelte Motivation, den Wiederaufstieg zu schaffen: Bundesligafußball in Lustenau und dem neuen Reichshofstadion die höchste österreichische Spielklasse zu zeigen. Vom dann anstehenden Derby gegen Altach ganz zu schweigen.
    Und so machte sich ein ordentlicher Fanmarsch durch die Gemeinde auf den Weg, ihren Verein in die 1. Liga zu singen. Im Stadion trafen sich alle wie üblich im Austria Dorf, einem Platz vor den Eingängen der Tribünen. Dort sind Fanshop, Essens- und Getränkebuden, sowie Foodtrucks und Taverne versammelt und bieten einem alles, was das Fußballherz begehrt. Besonders daran ist, dass die Stände und Buden von den unterschiedlichsten Gruppen betrieben werden, von der aktiven Fanszene über die AHs, bis zum Verein selbst, ist alles Mögliche dort vertreten. Man bekommt direkt das wohlige und bodenständige Gefühl, als sei man bei der Kreisliga auf dem Sportplatz, nur mit dem Unterschied, dass es hier heute um den Aufstieg in die 1. Liga gehen soll. Ein bisschen Fußball, wie er sein soll.

    Und mit Sicherheit gab es Fans, die die Kapelle im Austria Dorf noch für ein letztes Gebet vor Anpfiff genutzt haben.
    Das Stadion war mit 5138 Personen komplett ausverkauft, der Gegner aus Amstetten verzichtete zudem auf das ihm zustehende Gästekontingent, sodass auch der Gästebereich für die Fans aus Lustenau geöffnet werden konnte.
    Gästefans gab es keine, allerdings waren einige Fans Gäste und so kamen auch einige Leute aus dem befreundeten Augsburg dazu, um Lustenau zu unterstützen.
    Das Reichshofstadion füllte sich in der Stunde vor Anpfiff und die Spieler wurden bereits zum Aufwärmen mit den ersten Fackeln und Gesängen empfangen.
    Ca 30 Minuten vor Anpfiff wurde dem Vorsänger der Nordtribüne das Stadionmikrofon übergeben. Erst wurde ein langjähriger Mitarbeiter des Vereins geehrt und verabschiedet, anschließend wurde noch der Versuch gestartet, dass das gesamte Publikum nochmal der Mannschaft einheizt. Eine schöne Idee, leider lief die Musik der Stadionshow weiter, was ein wenig unglücklich vom Verein wirkte.
    Zum Einlaufen der Mannschaft gab es dann bereits erwähntes Spruchband, untermalt mit Fackeln und Fahnen, die Marschrichtung war klar. Lustenau startete gut und hitzig in das Spiel. Man angelte sich schnell zwei gelbe Karten
    und ging in der 23. Minute mit 1:0 in Führung. Zu diesem Zeitpunkt sang man bereits vom Derbygegner Altach und wie man deren Ort gerne umgestalten würde. Die Mannschaft war sich ihrem Sieg noch nicht so sicher wie die Fans und
    wirkten nervös und unsauber im Spiel. Es ging zwar mit dem 1:0 in die Kabine, ziemlich schnell nach Wiederanpfiff kassierte man allerdings das 1:1. In der 63. Minute verwandelte Lustenau einen Elfmeter zur erneuten Führung und war auf gutem Weg, die Meisterschaft klarzumachen. Amstetten gab jedoch nicht auf und machte es Lustenau schwer, sodass man auf den Rängen zittern musste. Da
    St. Pölten im Parallelspiel in Führung gegangen war, bedeutete ein Unentschieden im eigenen Spiel, dass man den Aufstieg verspielte. Die Austria fand ab der 80. Minute die Coolness zurück und spielte dann das 2:1 souverän
    über die Zeit. Bereits ab der 90. Minute machten sich die Tribünen bereit für den obligatorischen Platzsturm, der dann mit Abpfiff auch eintrat. Lustenau war
    wieder erstklassig und das musste zelebriert werden.

    Nach dem Abpfiff und dem Platzsturm gab es noch die Meisterfeier mit Trophäenübergabe auf dem Rasen. Anschließend wurde das Austria Dorf zum Aufstiga Dorf und es gab noch eine Feier zwischen Fans und Mannschaft.
    Die aktiven Gruppen der Nordtribüne legten einen guten Auftritt hin und haben sich richtig was überlegt für das große Saisonfinale. Leider hatte man teilweise
    das Gefühl, dass die Mundlöcher auf der Tribüne die Stimmung ein wenig schlucken und nicht haben überschwappen lassen. In solch einem wichtigen Spiel ist die Anspannung immer verständlicherweise sehr hoch, aber die Ränder
    der Nordtribüne haben trotz aller Bemühungen des Supportkerns sich nicht sonderlich anstecken und mitreißen lassen. Allerdings merkte man, besonders gegen Ende, dass das Publikum in Vorarlberg bereit ist, ihre Mannschaft anzufeuern und auch zum Feiern imstande ist.
    Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg nach Lustenau und auf eine erfolgreiche Saison 26/27, viel Spaß beim Derby.