Autor: felix

  • Ein Wochenende in Österreich (1/3)

    Freitag: Bundesligaschreck trifft Bundesliga: FC Dornbirn – SV Ried


    12.000 Plätze besitzt das Stadion Birkenwiese (oder wie Stadien neuerdings offiziell natürlich heißen müssen: Sparkassen Arena Birkenwiese) in Dornbirn maximal. Das ist fast ein Viertel der Anzahl der Menschen, die dort leben. Ein fußballverrückter Ort also?

    Das Wochenende startet irgendwo in Deutschland, mit dem Regionalverkehr in Richtung österreichische Grenze. Heißt: vier Mal umsteigen auf 220 Kilometer. Ein Wochenende in Österreich muss aber auch finanziert werden und da kommt das Deutschlandticket sehr gelegen. Und im ICE Ruheabteil erlebt man nunmal auch nicht fünf biertrinkende Mittvierziger, von denen jeder nochmal einen Ticken besser als der Vorgänger weiß, wie man das Zugfenster öffnet. Einfachste Art: lieb bei der Zugbegleiterin fragen, die beim Lokführer die Verriegelung entsperren lässt.

    Die Zeit nach Dornbirn verging wie im Zug und dort angekommen stieg bereits die Vorfreude auf das Cupspiel am Abend. Die persönliche Sommerpause neigt sich dem Ende zu und das erste Spiel nach der langen Zeit, ist ein Spiel direkt an der Basis: Der FC Dornbirn aus der Regionalliga West empfängt den etablierten Bundesligisten SV Ried. Bereits letzte Saison fiel mit dem Grazer AK hier ein Bundesligist in der 1. Runde auf die Nase. Ried sollte also gewarnt sein.

    Da es bis zum Anpfiff noch einige Zeit war, ging es vom Bahnhof zu Fuß erst durch den kleinen Urlaubsort und dann zum Ach (ein Witz mit Akh <-> Ach muss hier leider mangels Kreativität liegen gelassen werden). Der Dornbirner Ach ist ein kleiner, aktuell wenig Wasser tragender Flusslauf. Wenn man diesem in die richtige Richtung folgt, kommt man zum Stadion Birkenwiese. Um die geschundenen Füße ein wenig zu erholen, landeten ebenjene noch kurz im Wasser.

    Da weder im Ort, noch auf dem Weg etwas darauf hindeutete, dass hier heute noch ein Fußballspiel stattfinden sollte, kam der leise Verdacht auf, dass Dornbirn vielleicht tatsächlich gar kein fußballverrücktes Dörfchen sein könnte. Allerdings kam auch die Sorge auf, eine kleine Feier vor dem Stadion zu verpassen, weswegen schnell wieder die Schuhe geschnürt und der restliche Weg zum Stadion angegangen wurde. „Birkenwiese“ ist eine Siedlung am Rand der Gemeinde Dornbirn. Auf dem Weg Richtung Ziel sah man bereits die Flutlichtmasten des Stadions direkt hinter den Gärten der Häuser stehen.

    Die Birkenwiese ist ein nettes, altes Regionalliga-Stadion. Es besitzt eine maximale Kapazität von 12.000 Plätzen, ist in der Wohnsiedlung gelegen, dahinter grenzt das Olympiazentrum Vorarlberg mit Hallen, Beachvolleyballplätzen, Fußballplätzen, usw. an. Im Panorama türmen sich die Berge auf.

    Bei der Suche nach dem optimalen Fotospot um das Stadion herum, führten das ständige Hoch- und Runterschauen und der helle Bildschirm wohl zu Halluzinationen, denn es schien im Augenwinkel, als würden zwei jugendliche Füße unter einem Tor hindurch rutschen, ohne auf die Stadionöffnung zu warten. Aber sowas würde man nicht machen, denn das darf man nicht.

    Von der Suche nach einem Fotospot zurück bei der Tages-Kassa waren die Tore leider immer noch verschlossen. Auch eine Feier vor dem Stadion gab es hier nicht. Die Stimmen, dass Dornbirn jetzt wohl wirklich kein fußballverrücktes Dorf sei, wurden weiterhin lauter. Eine Handvoll Menschen stand am Stadion, die sich auch alle gegenseitig grüßten und redeten. Fußballverrückt vielleicht also nicht, aber auf jeden Fall herzlich und nachbarschaftlich. Diesen Eindruck bekam man auch nach Einlass vermittelt.

    Also auf zum Verpflegungsstand, dem Regionalligisten finanziell unter die Arme gegriffen und die Zeit bis zum Anpfiff mit Beobachten verbringen: Die Mitarbeitenden des Vereins, die das alle vermutlich nicht hauptberuflich, aber dafür mit Freude tun. Die Balljungen aus der Kindermannschaft beim selber Fußball spielen. Die Mannschaften beim Aufwärmen. Das sich langsam füllende Stadion und die Menschen die hier herkommen, um keinen hochklassigen Spitzenfußball zu sehen, sondern um den Verein ihres Heimatorts zu unterstützen.

    Was meistens auch spannend zu beobachten ist, ist der Gästebereich. Die Fanszene des SV Ried, um die Glory Boys 05 und die Supras 96, gehört auf jeden Fall zu den etablierten Szenen in Österreich. Auswärts sind sie aber in aller Regel ein deutlich kleinerer Haufen. Lange war der Gästeblock am Rand der langgezogenen Stufen auf der gegenüberliegenden Seite nur mit ein paar Leuten gefüllt. Die Glory Boys flaggten bereits relativ früh an, die Supras erst während der ersten paar Minuten des Spiels. Kurz vor Anpfiff erst, kamen noch einige weitere Personen auf die Stufen dazu. Es blieb aber ein überschaubarer Haufen, der die 365 Kilometer Strecke am Freitag auf sich genommen hat. Dieser war aber motiviert und hatte bei Gesangseinlagen eine 100% Mitmachquote. In der ersten Halbzeit war es jedoch kein durchgängiger Support, sondern abhängig vom Spielverlauf.

    Auf der Heimseite hatte man außer 12 abgezählten gesangsfreudigen Biertrinkern keinen Gegner auf der Tribüne, was einen hätte motivieren können. Diese 12 Leute verloren dann zusätzlich auch relativ schnell wieder die Freude am Singen. Gehört haben die Fans im Gästeblock die Leute bestimmt dennoch, haben sie sich doch direkt auf den langgezogenen Stufen neben dem Gästebereich platziert. Vermutlich, um die Leute auf der überdachten Sitzplatztribüne nicht zu belästigen.

    Die Hydration Break macht auch vor dem ÖFB Cup keinen Halt, wobei es hier tatsächlich warm war und vermutlich kann man das Stadion auch gar nicht auf 20°C temperieren. Aber ob der Einspieler der Sparkasse Vorarlberg während der Trinkpause wirklich finanziell profitabel für den FC Dornbirn war, sei mal dahingestellt.

    Der SV Ried wurde seiner Favoritenrolle gerecht und war in der ersten Halbzeit die klar tonangebende Mannschaft. Nach 30 Minuten fiel das 0:1 für die Gäste, kurz vor dem Halbzeitpfiff folgte dann das 0:2. So ging es dann in die Kabinen.

    Nach Wiederanpfiff zeigte sich ein komplett umgedrehtes Bild und der FC Dornbirn kam wie die Feuerwehr aus der Kabine. Es folgte eine Drangphase des Regionalligisten, bei dem drei, vier hochkarätige Chancen ungenutzt blieben. In der 55. Minute sorgte eine unfassbare Einzelaktion samt Traumpass und ein strammer Abschluss für den Anschlusstreffer, nach dem man als Vorarlberger schon mal denken konnte, dass hier noch was gehe. Drei Minuten später sorgte ein abgeklärter Angriff dann für das nächste Tor und es stand wieder 1:3, der alte Abstand war wieder hergestellt. Da erkannte man die Abgezocktheit des Bundesligisten. Dieser lies sich auch nicht mehr aus der Ruhe bringen und legte in Minute 72 und in der Nachspielzeit noch das 1:4, bzw. das 1:5 hinterher. Einziger Lichtblick war der Torwart Dornbirns, der ein paar Mal spektakulär dafür sorgte, dass der Bundesligist nicht noch höher gewinnen konnte.

    Ein persönliches Highlight in Halbzeit zwei waren die Balljungen im Alter von ca 5-7 Jahren. Diese wollten hinter dem Tor ihr eigenes Können unter Beweis stellen und bugsierten ihren Spielball geradeaus auf das Spielfeld, diesen nahm ein Spieler des SV Ried einfach als Störball wahr und jagte ihn mit Karacho wieder heraus aus dem Spielfeld.

    An Spieltagen passen in die Birkenwiese 7.500 Personen, anwesend waren offiziell 800, wovon ca 40 im Gästeblock waren. Diese fanden in der 2. Halbzeit ihre Singeslaune und haben quasi durchsupportet, was nach einer Menge Spaß im Mob aussah. Nach Abpfiff konnten sie noch mit ihrer Mannschaft den Einzug in die 2. Runde im Pokal feiern.

    Die Heimseite feierte stattdessen, dass sie es dem Erstligisten teilweise schwieriger machten, als das Ergebnis es vermuten lassen könnte. Dornbirn ist kein klassischer, fußballfanatischer Ort, aber: Die Leute hier kennen sich, man grüßt sich, redet miteinander, lacht und bezahlt sich gegenseitig Getränke. Fußball, wie man ihn auf dem Bolzplatz lieben gelernt hat – ein Miteinander.

    Ein schöner Start in das Österreich Wochenende mit einem besonderen Stadion war gelungen und setzte gute Vorzeichen auf die kommenden Tage. Der Weg führte also zurück zum Bahnhof, denn am nächsten Tag wartete bereits das nächste Spiel mit einem Stadtduell. Den Bericht dazu könnt ihr im nächsten Beitrag lesen.

  • Zwischen Meer und Stadtmauer: Stadion Piran

    Zwischen Meer und Stadtmauer: Stadion Piran

    Name: Stadion Pod Obzidjem Piran

    Standort: IX. Korpusa 31, 6330 Piran, Slowenien

    Verein: NK Portorož-Piran, 4. Liga Slowenien

    Kapazität: 750 Personen

    Besonderheit: Dieses Stadion liegt in der Stadt Piran im Golf von Triest. Das Besondere ist, die „Haupttribüne“ liegt mit dem Rücken zu einer Klippe zum Meer, das eine Kopfende des Platzes liegt direkt an der Stadtmauer Pirans, von der aus man ein Spiel sehen könnte. Das Stadion mit Kunstrasenplatz verfügt sogar über eine Flutlichtanlage. Leider war es mir verwehrt, hier ein Spiel zu sehen, da ich es in der Sommerpause durch Zufall bei einer Stadterkundung entdeckt habe.

    Es lohnt sich, sich weitere Bilder dieses Stadions anzusehen oder im besten Fall sogar selbst zu einem Spiel hierher zu reisen.

  • SC Austria Lustenau – SKU Amstetten

    SC Austria Lustenau – SKU Amstetten

    Aufstieg in der Liga Zwa?

    „Macht euch zu Helden“ stand in Großbuchstaben auf dem Banner vor der Nordtribüne Lustenau, als die Mannschaften den Rasen betraten.

    Links und rechts davon brannten grüne und weiße Fackeln, über die Tribüne verteilt wurden Plastikfahnen gewedelt, in denen die Vereinsfarben ebenfalls wieder aufgegriffen wurden.
    Lustenau hatte die Chance, seit dem Abstieg 2024 wieder
    in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Nachdem der erste Matchball in der vorherigen Woche im Duell gegen die Austria aus Salzburg noch vergeben wurde, wollten sie es beim Heimspiel am letzten Spieltag (oder wie man in
    Österreich sagt: in der letzten Runde) der Saison besser machen.
    Die Ausgangssituation war knapp, aber mit dem Vorteil auf Seiten von Lustenau. Ein Punkt Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus St. Pölten, welcher das bessere
    Torverhältnis hatte und 3 Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten FAC Wien, der aber ebenfalls ein deutlich besseres Torverhältnis hatte. Heißt: alles in
    eigener Hand, verlieren dennoch verboten.
    Die Nordtribüne Lustenau mobilisierte für das Finale und rief auf zum gemeinsamen Treffen und Einstimmen in der Stadt, bevor es zu Fuß gesammelt gemeinsam zum Reichshofstadion ging.

    Ein außergewöhnliches Stadion, die Tribünen und Überdachungen bestehen größtenteils aus Holz, die auf einem Unterbau aus Beton errichtet wurden. Die vier, jeweils 40 Meter hohen, Flutlichttürme lassen
    einen das Stadion schon von weitem erkennen.

    Holz als Baustoff für ein Fußballstadion wirkt im ersten Moment untypisch, passt aber sehr gut in die 15000 Einwohnenden Gemeinde in Vorarlberg. Überall, wo man sich im
    Reichshofstadion (oder wie es offiziell heißt: SUN MiniMeal-Arena) bewegt, riecht es nach dem verbauten Holz und man spürt die Schritte der rennenden Kinder auf den Tribünen.
    Auch interessant: Der Neubau kennt noch keinen Bundesliga-Fußball. Das alte Stadion wurde im November 2023 noch während der laufenden Saison abgerissen. Die Austria musste während der Bauarbeiten ins ca. 15 Kilometer
    entfernte Bregenz ausweichen und dort ihre letzte Bundesligasaison zu Ende spielen. Somit wohl eine doppelte Motivation, den Wiederaufstieg zu schaffen: Bundesligafußball in Lustenau und dem neuen Reichshofstadion die höchste österreichische Spielklasse zu zeigen. Vom dann anstehenden Derby gegen Altach ganz zu schweigen.
    Und so machte sich ein ordentlicher Fanmarsch durch die Gemeinde auf den Weg, ihren Verein in die 1. Liga zu singen. Im Stadion trafen sich alle wie üblich im Austria Dorf, einem Platz vor den Eingängen der Tribünen. Dort sind Fanshop, Essens- und Getränkebuden, sowie Foodtrucks und Taverne versammelt und bieten einem alles, was das Fußballherz begehrt. Besonders daran ist, dass die Stände und Buden von den unterschiedlichsten Gruppen betrieben werden, von der aktiven Fanszene über die AHs, bis zum Verein selbst, ist alles Mögliche dort vertreten. Man bekommt direkt das wohlige und bodenständige Gefühl, als sei man bei der Kreisliga auf dem Sportplatz, nur mit dem Unterschied, dass es hier heute um den Aufstieg in die 1. Liga gehen soll. Ein bisschen Fußball, wie er sein soll.

    Und mit Sicherheit gab es Fans, die die Kapelle im Austria Dorf noch für ein letztes Gebet vor Anpfiff genutzt haben.
    Das Stadion war mit 5138 Personen komplett ausverkauft, der Gegner aus Amstetten verzichtete zudem auf das ihm zustehende Gästekontingent, sodass auch der Gästebereich für die Fans aus Lustenau geöffnet werden konnte.
    Gästefans gab es keine, allerdings waren einige Fans Gäste und so kamen auch einige Leute aus dem befreundeten Augsburg dazu, um Lustenau zu unterstützen.
    Das Reichshofstadion füllte sich in der Stunde vor Anpfiff und die Spieler wurden bereits zum Aufwärmen mit den ersten Fackeln und Gesängen empfangen.
    Ca 30 Minuten vor Anpfiff wurde dem Vorsänger der Nordtribüne das Stadionmikrofon übergeben. Erst wurde ein langjähriger Mitarbeiter des Vereins geehrt und verabschiedet, anschließend wurde noch der Versuch gestartet, dass das gesamte Publikum nochmal der Mannschaft einheizt. Eine schöne Idee, leider lief die Musik der Stadionshow weiter, was ein wenig unglücklich vom Verein wirkte.
    Zum Einlaufen der Mannschaft gab es dann bereits erwähntes Spruchband, untermalt mit Fackeln und Fahnen, die Marschrichtung war klar. Lustenau startete gut und hitzig in das Spiel. Man angelte sich schnell zwei gelbe Karten
    und ging in der 23. Minute mit 1:0 in Führung. Zu diesem Zeitpunkt sang man bereits vom Derbygegner Altach und wie man deren Ort gerne umgestalten würde. Die Mannschaft war sich ihrem Sieg noch nicht so sicher wie die Fans und
    wirkten nervös und unsauber im Spiel. Es ging zwar mit dem 1:0 in die Kabine, ziemlich schnell nach Wiederanpfiff kassierte man allerdings das 1:1. In der 63. Minute verwandelte Lustenau einen Elfmeter zur erneuten Führung und war auf gutem Weg, die Meisterschaft klarzumachen. Amstetten gab jedoch nicht auf und machte es Lustenau schwer, sodass man auf den Rängen zittern musste. Da
    St. Pölten im Parallelspiel in Führung gegangen war, bedeutete ein Unentschieden im eigenen Spiel, dass man den Aufstieg verspielte. Die Austria fand ab der 80. Minute die Coolness zurück und spielte dann das 2:1 souverän
    über die Zeit. Bereits ab der 90. Minute machten sich die Tribünen bereit für den obligatorischen Platzsturm, der dann mit Abpfiff auch eintrat. Lustenau war
    wieder erstklassig und das musste zelebriert werden.

    Nach dem Abpfiff und dem Platzsturm gab es noch die Meisterfeier mit Trophäenübergabe auf dem Rasen. Anschließend wurde das Austria Dorf zum Aufstiga Dorf und es gab noch eine Feier zwischen Fans und Mannschaft.
    Die aktiven Gruppen der Nordtribüne legten einen guten Auftritt hin und haben sich richtig was überlegt für das große Saisonfinale. Leider hatte man teilweise
    das Gefühl, dass die Mundlöcher auf der Tribüne die Stimmung ein wenig schlucken und nicht haben überschwappen lassen. In solch einem wichtigen Spiel ist die Anspannung immer verständlicherweise sehr hoch, aber die Ränder
    der Nordtribüne haben trotz aller Bemühungen des Supportkerns sich nicht sonderlich anstecken und mitreißen lassen. Allerdings merkte man, besonders gegen Ende, dass das Publikum in Vorarlberg bereit ist, ihre Mannschaft anzufeuern und auch zum Feiern imstande ist.
    Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg nach Lustenau und auf eine erfolgreiche Saison 26/27, viel Spaß beim Derby.