SC Austria Lustenau – SKU Amstetten

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Aufstieg in der Liga Zwa?

„Macht euch zu Helden“ stand in Großbuchstaben auf dem Banner vor der Nordtribüne Lustenau, als die Mannschaften den Rasen betraten.

Links und rechts davon brannten grüne und weiße Fackeln, über die Tribüne verteilt wurden Plastikfahnen gewedelt, in denen die Vereinsfarben ebenfalls wieder aufgegriffen wurden.
Lustenau hatte die Chance, seit dem Abstieg 2024 wieder
in die 1. Bundesliga aufzusteigen. Nachdem der erste Matchball in der vorherigen Woche im Duell gegen die Austria aus Salzburg noch vergeben wurde, wollten sie es beim Heimspiel am letzten Spieltag (oder wie man in
Österreich sagt: in der letzten Runde) der Saison besser machen.
Die Ausgangssituation war knapp, aber mit dem Vorteil auf Seiten von Lustenau. Ein Punkt Vorsprung auf den Tabellenzweiten aus St. Pölten, welcher das bessere
Torverhältnis hatte und 3 Punkte Vorsprung auf den Tabellendritten FAC Wien, der aber ebenfalls ein deutlich besseres Torverhältnis hatte. Heißt: alles in
eigener Hand, verlieren dennoch verboten.
Die Nordtribüne Lustenau mobilisierte für das Finale und rief auf zum gemeinsamen Treffen und Einstimmen in der Stadt, bevor es zu Fuß gesammelt gemeinsam zum Reichshofstadion ging.

Ein außergewöhnliches Stadion, die Tribünen und Überdachungen bestehen größtenteils aus Holz, die auf einem Unterbau aus Beton errichtet wurden. Die vier, jeweils 40 Meter hohen, Flutlichttürme lassen
einen das Stadion schon von weitem erkennen.

Holz als Baustoff für ein Fußballstadion wirkt im ersten Moment untypisch, passt aber sehr gut in die 15000 Einwohnenden Gemeinde in Vorarlberg. Überall, wo man sich im
Reichshofstadion (oder wie es offiziell heißt: SUN MiniMeal-Arena) bewegt, riecht es nach dem verbauten Holz und man spürt die Schritte der rennenden Kinder auf den Tribünen.
Auch interessant: Der Neubau kennt noch keinen Bundesliga-Fußball. Das alte Stadion wurde im November 2023 noch während der laufenden Saison abgerissen. Die Austria musste während der Bauarbeiten ins ca. 15 Kilometer
entfernte Bregenz ausweichen und dort ihre letzte Bundesligasaison zu Ende spielen. Somit wohl eine doppelte Motivation, den Wiederaufstieg zu schaffen: Bundesligafußball in Lustenau und dem neuen Reichshofstadion die höchste österreichische Spielklasse zu zeigen. Vom dann anstehenden Derby gegen Altach ganz zu schweigen.
Und so machte sich ein ordentlicher Fanmarsch durch die Gemeinde auf den Weg, ihren Verein in die 1. Liga zu singen. Im Stadion trafen sich alle wie üblich im Austria Dorf, einem Platz vor den Eingängen der Tribünen. Dort sind Fanshop, Essens- und Getränkebuden, sowie Foodtrucks und Taverne versammelt und bieten einem alles, was das Fußballherz begehrt. Besonders daran ist, dass die Stände und Buden von den unterschiedlichsten Gruppen betrieben werden, von der aktiven Fanszene über die AHs, bis zum Verein selbst, ist alles Mögliche dort vertreten. Man bekommt direkt das wohlige und bodenständige Gefühl, als sei man bei der Kreisliga auf dem Sportplatz, nur mit dem Unterschied, dass es hier heute um den Aufstieg in die 1. Liga gehen soll. Ein bisschen Fußball, wie er sein soll.

Und mit Sicherheit gab es Fans, die die Kapelle im Austria Dorf noch für ein letztes Gebet vor Anpfiff genutzt haben.
Das Stadion war mit 5138 Personen komplett ausverkauft, der Gegner aus Amstetten verzichtete zudem auf das ihm zustehende Gästekontingent, sodass auch der Gästebereich für die Fans aus Lustenau geöffnet werden konnte.
Gästefans gab es keine, allerdings waren einige Fans Gäste und so kamen auch einige Leute aus dem befreundeten Augsburg dazu, um Lustenau zu unterstützen.
Das Reichshofstadion füllte sich in der Stunde vor Anpfiff und die Spieler wurden bereits zum Aufwärmen mit den ersten Fackeln und Gesängen empfangen.
Ca 30 Minuten vor Anpfiff wurde dem Vorsänger der Nordtribüne das Stadionmikrofon übergeben. Erst wurde ein langjähriger Mitarbeiter des Vereins geehrt und verabschiedet, anschließend wurde noch der Versuch gestartet, dass das gesamte Publikum nochmal der Mannschaft einheizt. Eine schöne Idee, leider lief die Musik der Stadionshow weiter, was ein wenig unglücklich vom Verein wirkte.
Zum Einlaufen der Mannschaft gab es dann bereits erwähntes Spruchband, untermalt mit Fackeln und Fahnen, die Marschrichtung war klar. Lustenau startete gut und hitzig in das Spiel. Man angelte sich schnell zwei gelbe Karten
und ging in der 23. Minute mit 1:0 in Führung. Zu diesem Zeitpunkt sang man bereits vom Derbygegner Altach und wie man deren Ort gerne umgestalten würde. Die Mannschaft war sich ihrem Sieg noch nicht so sicher wie die Fans und
wirkten nervös und unsauber im Spiel. Es ging zwar mit dem 1:0 in die Kabine, ziemlich schnell nach Wiederanpfiff kassierte man allerdings das 1:1. In der 63. Minute verwandelte Lustenau einen Elfmeter zur erneuten Führung und war auf gutem Weg, die Meisterschaft klarzumachen. Amstetten gab jedoch nicht auf und machte es Lustenau schwer, sodass man auf den Rängen zittern musste. Da
St. Pölten im Parallelspiel in Führung gegangen war, bedeutete ein Unentschieden im eigenen Spiel, dass man den Aufstieg verspielte. Die Austria fand ab der 80. Minute die Coolness zurück und spielte dann das 2:1 souverän
über die Zeit. Bereits ab der 90. Minute machten sich die Tribünen bereit für den obligatorischen Platzsturm, der dann mit Abpfiff auch eintrat. Lustenau war
wieder erstklassig und das musste zelebriert werden.

Nach dem Abpfiff und dem Platzsturm gab es noch die Meisterfeier mit Trophäenübergabe auf dem Rasen. Anschließend wurde das Austria Dorf zum Aufstiga Dorf und es gab noch eine Feier zwischen Fans und Mannschaft.
Die aktiven Gruppen der Nordtribüne legten einen guten Auftritt hin und haben sich richtig was überlegt für das große Saisonfinale. Leider hatte man teilweise
das Gefühl, dass die Mundlöcher auf der Tribüne die Stimmung ein wenig schlucken und nicht haben überschwappen lassen. In solch einem wichtigen Spiel ist die Anspannung immer verständlicherweise sehr hoch, aber die Ränder
der Nordtribüne haben trotz aller Bemühungen des Supportkerns sich nicht sonderlich anstecken und mitreißen lassen. Allerdings merkte man, besonders gegen Ende, dass das Publikum in Vorarlberg bereit ist, ihre Mannschaft anzufeuern und auch zum Feiern imstande ist.
Herzlichen Glückwunsch zum Aufstieg nach Lustenau und auf eine erfolgreiche Saison 26/27, viel Spaß beim Derby.

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